Stadtkultur er - f a h r e n . . . |
![]() |
| Aktuell | Infos für Gäste | Museums-Linie | Tram - Shop | Sammlung | Zeitreise | |
| Züri - Bus | Loisl - Galerie | Wir über uns... | Rückspiegel | Gästebuch | Links | |
| Inhalt | E - Mail | |||||
Josef Balen verstarb am 27. September 2001 im 76. Altersjahr an den Folgen eines tragischen Verkehrsunfalls bei einer Ferienreise in seinem geliebten Österreich.
Die Nachricht seines Todes kam völlig unerwartet und hat uns tief betroffen gemacht. Mit Josef Balen verliert der TMZ eine Persönlichkeit, welche massgeblich an der Gründung des Vereins mitgewirkt hat. Über viele Jahre leitete er den Verein als Präsident, welcher beharrlich und mit grosser Energie - gegen vielerlei Widerstände - die Fahrzeugsammlung sicherte und schliesslich ein vertragliche Regelung der Aufgabenteilung Verkehrbetrieb / TMZ, sie besteht - mehrfach revidiert - heute noch, erreichte.
Josef Balen war ein profunder Kenner der Strassenbahn-, Architektur- und Stadtgeschichte, zahlreiche Veröffentlichungen zeugen davon, so auch das Standardwerk zur Zürcher Tramgeschichte.
Ein Mitmensch mit reichem Wissen, von dem wir viel fachliche Unterstützung entgegennehmen durften, ist nicht mehr unter uns. Wir gedenken seiner mit Dankbarkeit und trauern mit den Angehörigen.
Der TMZ-Vorstand
Mit Bestürzung haben wir die Nachricht aufgenommen ,dass Josef Balen - der
Mitbegründer und erste Präsident des Vereins Tram- Museum Zürich - durch einen
tragischen Unfall sein Leben verloren hat. Seinem Andenken seien diese
Erinnerungen gewidmet.
Drei sich völlig unbekannte Männer - Josef Balen ,in einem Architekturbüro tätig, Franz Kurz, Kaufm. Angestellter und ex. Tramkondukteur, Paul Huber Schlosserei-Meister ZW / VBZ treffen sich nach einer Versammlung des Schweiz. Eisenbahn-Amateur-Clubs (SEAK) zu einer Tasse Kaffee. Wie es sich bald herausstellt sind alle Drei "angefressene" Tramfans und beschliessen sich gegenseitig zu besuchen um in den fotografischen Tramschätzen des Gegenübers zu wühlen.
Man schrieb das Jahr 1967. Die neue Tramgeneration - die Gelenkwagen - war rasant im Anrollen und verdrängte rigoros alles alte Rollmaterial. Auf den Gleisen vor dem Depot Irchel stauten sich die dem Abbruch geweihten Fahrzeuge. Die Schlosserei ZW hatte bereits den Auftrag dazu, und so informierte ich meine beiden neuen Kollegen über den Stand der Dinge. Wir waren uns rasch einig: Von jeder bedeutenden Wagenserie solte. ja musste ein Exemplar erhalten werden. Das war ein spontan fest gefasster Entschluss. - Die Zeit drängte dramatisch: Von der grossen Serie 1144 - 1236 war - ohne Luftbremse - nur noch Wg.1176, der in der Burgwies rangierte, vorhanden - von den Wagen "mit", nur noch das Märlitram; die "Schnellläufer "bereits teilweise ausrangiert, und schon standen die ersten "Elefanten" auf der Abbruchliste.
So wählten wir rasch den schreib- und redegewandten Josef Balen als unseren Vertreter, der schon am nächsten Tag im Amtshaus vorsprach und in Direktionssekretär Theo Müller einen ganz heissen Draht zur VBZ-Direktion fand. Meinerseits hatte ich die Aufgabe, in der ZW ein Plätzchen aufzutreiben, wo wir die zu rettenden Fahrzege instand zu stellen gedachten. In ZW-Chef G.A. Meier fand ich einen grosszügigen Vorgesetzten und die nötige Erlaubnis. - Nachdem Josef Balen aus dem Amtshaus "Grünlicht " gefunkt hatte, begannen wir sofort mit den Revisionsarbeiten am Wg. 626 - nach Feierabend natürlich. Die Freiwilligen der ersten Stunde waren Franz Kurz, zu dem sich bald sein Bruder Max gesellte,und eine schöne Zahl Handwerksleute aus der ZW.
Unterdessen hatten wir drei "Brennholz-Renovierer", wie wir anfänglich oft spöttisch genannt wurden, eine Liste zusammengestellt von Fahrzeugen, die wir retten wollten. Auch diese hatte Josef Balen in zähen Verhandlungen durchgebracht. Und so wurde nach der Fertigstellung von Anhänger 626 unverzüglich der "Schnellläufer" 1002 (2) in Arbeit genommen. Er war in einem noch tadellosen Zu- stand. Wir brauchten eigentlich nur die Seitenwände in den Urzustand zurück zu versetzten. Dank der freundlichen Zustimmung von ZW-Chef Meier erhielten beide Fahrzeuge von der ZW-Malerei einen Neuanstrich verpasst. - Unser erste Museumszug war perfekt!
Jetzt aber wurde auch unsere eigene Wunschliste immer grösser.
Im "Irchel" stand das Dienstfahrzeug 1974,ein ex Limmattaler, zum Abbruch. Wir entfernten aber nur die Fenster überdeckenden Bleche, setzten provisorisch Seitenwandscheiben ein und verstauten. den Wagen in der hintersten Ecke von Depot 7. Josef und ich würden ihm gelegentlich ein weiss/blaues Kleid und eine neue Nummer (93)verpassen. Nur so provisorisch, eigentlich mehr als Gag. Und dann wollte man weiter sehen. Bei einer Gross-Serie aber war nichts mehr zu retten: Die Längsbank-Anhänger der 501-Serie waren früher schon abgebrochen worden. Da eröffnete sich uns eine unerwartete Chance: Die Schaffhauser Strassenbahn gedachte ihren Betrieb einzustellen. Ihre paar Anhänger entsprachen aber haargenau dem Originalzustand der VBZ 500er Serie. Josef Balen fädelte die Sache mit der Munot-Stadt, der VBZ und den SBB ein: Wir würden bald einen grauen Wagen in Schaffhausen abholen können. Und dann würden wir weiter sehen.
In Vallorbe steht ein altes Lok-Depot aus der Dampfzeit. Darin ist heute altehrwürdiges Rollmaterial für das Verkehrshaus Luzern remisiert. - Und wir vermuteten dort auch das Zürcher Motorwägelchen 102,das letzte Exemplar aus der Gross-Serie von 1900.(81-142). Dort haben wir dann auch den Heimweh-Zürcher gefunden und ihm eine baldige Rückkehr in seine Heimatstadt versprochen.
Für Josef Balen aber ergab das ein recht komplizierter, schriftlicher Verkehr zwischen Verkehrshaus, SBB und VBZ mit dem erfreulichen Resultat: WG 102 gehört heute zum TMZ.
Erste Priorität in unserem Aufbauprogramm aber galt der Totalrevision von Wg.1176 (176). Wir hatten im Depot Burgwies einen Standplatz ergattert, der uns erlaubte, jederzeit an diesem Fahrzeug arbeiten zu können, Die erfreulich wachsende Anzahl von Hilfswilligen – sie würden bald einmal den Grundstock zu einem neu zu gründenden Museumsverein sein - gab uns den Mut zu diesem ersten, ganz grossen Werk, das mehrere Jahre dauern sollte.
Klar, dass bei diesem unglaublichen Wachstum der Saat das Kraut den drei Gärtnern weit über den Kopf wuchs. So entschlossen wir uns in einer langen Nachtsitzung, das ganze Werk auf die Basis eines Vereins zu stellen. Rasch einigten wir uns auf den Namen: Verein Tram-Museum Zürich mit dem Kürzel TMZ. - Und da Josef Balen seine administrativen Aufgaben bis dahin ausgezeichnet erledigt und vor allem auch mit unserem Hauptpartner, den VBZ, schon recht gute Beziehungen aufgebaut und Vertrauen gewonnen, aber auch in der Rechtspflege am meisten Erfahrung hatte, baten wir ihn, die Sache einer Vereinsgründung in die Hand zu nehmen, was er denn auch tat, im Wissen, oder zum Mindesten in der Ahnung, was für eine Riesenarbeit auf ihn zukommen würde. Die notwendigen, gemeinsamen Sitzungen waren immer top vorbereitet.
Und dann - an der Gründungsversammlung am 29. September 1967 wählten ihn die Anwesenden zum 1. Präsidenten des Vereins Tram-Museum Zürich.
Lieber Josef - als erster Präsident unseres TMZ hast du ein solides Fundament gezimmert, auf dem deine Nachfolger daran sind, ein wunderbares Haus zu bauen. - Ohne deinen entschlossenen Einsatz und deine Unnachgiebigkeit in einem einmal erkannten Ziel, wäre unsere Stadt ein prächtiges und hochinteressanes Stück Kultur unwiederbringlich verloren gegangen. Du hast entscheidend mitgeholfen, es zu retten und der Nachwelt zu erhalten.
Dafür danken wir dir.
Paul Huber
Letzte Änderungen: 30.08.2006
|
Copyright © 1997 - 2003 Verein Tram-Museum Zürich |
|