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Den Bürgern ein Stück Heimatgeschichte zu vermitteln, ist das besondere Anliegen von Gottfried Bauer, Strassenbahn-Enthusiast und Vorstandsvorsitzender des 270 Mitglieder starken Vereins SHB: "Die Entwicklung' des Strassenbahnbahnbetriebes ist ein "Stück unserer Kulturgeschichte", so Gottfried Bauer. "Das Museum soll unter anderem dokumentieren, was durch und mit der Strassenbahn überhaupt alles möglich war in Stuttgart", speziell eben zu Zeiten, in denen Mobilität noch keine Selbstverständlichkeit war.
Mobil sind die historischen Strassenbahnzüge auch heute noch - einmal im Monat treten sie unter fröhlichem Klingeln ihren nostalgisch anmutenden Beweis an: Auf einer eigens eingerichteten Oldtimerlinie drehen die von Grund auf restaurierten Schienenfahrzeuge ihre gemütlichen Runden durch Stuttgart. Und einmal im Monat sind auch die schaffnerlosen Tage gezählt.
Denn um die Illusion zu vollenden, werden die Strassenbahnen
vergangener Zeiten auch mit "historischen Schaffnern" bestückt. Dann muss der
Fahrgast sein Billett nicht mehr bei herzlosen Maschinen, die weder "Bitte" noch
"Danke" sagen, erstehen. Und manch einer wird höflich aber bestimmt
aufgefordert, von der hinteren Plattform nach vorne durchzugehen.
Zum Beispiel von Martin Schnider, der am Samstag die Rundfahrten der alten Triebwagen als Kondukteur begleitete - und mit seinem schwyzerdeutsch für ungewohnte Klänge im Norden der Schwabenrnetropole sorgte. Martin Schnider ist Präsident des Tram-Museums in Zürich, dem einzigen Strassenbahnmuseum der Schweiz. Nachdem im Herbst letzten Jahres eine Stuttgarter Delegation dem Züricher Strassenbahnjubiläum in ihren alten Uniformen aktiv beiwohnte, stand dieses Wochenende der Gegenbesuch auf dem Fahrplan: "Die beiden Museen betreiben mit den Verkehrsbetrieben die gleiche Politik, und wir verstehen uns fachlich und menschlich sehr gut mit unseren Stuttgarter Kollegen. Wir sind richtige Freunde geworden. Im Moment, so Schnider weiter, "tauschen wir eben die Schaffner aus. Wer weiss, vielleicht tauschen wir auch mal ein Fahrzeug aus."
Die Voraussetzungen dazu sind jedenfalls gegeben, denn während die meisten Städte ihren öffentlichen Nahverkehr auf breiteren Spuren betreibt, wird in Stuttgart und Zürich noch auf der so genannten Meterspur gefahren. "Nette Leute fahren Meterspur", ist dann auch die gemeinsame Formel der Zürcher und Stuttgarter Strassenbahner, ihr anachronistisches Hobby ihre gemeinsame Passion.
Aus Stuttgarter Zeitung, 2.6.99
Letzte Änderungen: 30.08.2006
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