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Feiern und FahrenDer Sommeranlass der Tram-Museums vom 19./20. August darf unzweifelhaft als voller Erfolg bezeichnet werden. Das gleich in mehrfacher Hinsicht:
Was es dazu alles brauchte und wie es dazu kam, das soll folgender Bericht etwas skizzieren:
Die letzte Fahrt der Pferdebahn im Jahre 1900, also 100 Jahre zuvor bot den äusseren Anlass für unser Tram-Fest. Ein Rösslitram sollte wieder fahren, sicher ein ambitiöses Ziel. Doch mit dem Rösslitram alleine war noch kein Fest zu machen. Wer wären noch geeignete Partner? Sicher einmal die ebenfalls meterspurige Forchbahn, der Verein der Feld- und Werkbahnfreunde mit seiner "portablen" Anlage sowie die Zürcher Museumsbahn mit dem Schnaaggi-Schaagi und der Verein historischer Züri-Bus.
Der OrtFür regelmässige Fahrten mit dem Rösslitram war das normale Netz der VBZ kaum geeignet. Also sollte es ein abgeschlossenes Areal sein, dazu flach und genügend gross; damit schied die Wartau aus. Als geeignetes Festgelände mit Normalspur-Anschluss kamen nur zwei Orte in Frage: Das Depot Hard bei Escher-Wyss-Platz und das Areal der VBZ Zentralwerkstätte. Der TMZ favorisierte das Depot Hard, denn hier bestand auch die Möglichkeit die Museumswerkstätte zu zeigen und unser Projekt "Lisebethli" noch weiter bekannt zu machen. Dazu kam eine relativ geringe Distanz zur Innenstadt, welche einen attraktiven Trambetrieb der "Museums-Linie" mit vernünftigem Aufwand ermöglichte. Die grosse Herausforderung dieses Ortes: Das Festareal ist ein funktionsfähiges Tramdepot und musste es auch bleiben, nachts sind alle Gleise belegt. Die zuständigen Stellen der VBZ konnten dennoch für unser Festkonzept gewonnen werden, an dieser Stelle sei herzlich dafür gedankt! So musste beispielsweise genau festgelegt werden, wann welche Gleise abends wieder befahrbar sein mussten; und die Parkplätze für das Personal... . Aber wenn das Rösslitram schon mal da ist, so möchten wir auch einen Teil der historischen Route fahren; also warum nicht ein Tramkorso? Der Dritte der TMZ-Geschichte, nach 1994 und 1997 schon fast eine Routineangelegenheit.
Rösslitram und Ross
Eine Pferdebahn, nach Jahren wieder einmal in Zürich, da gab es mehrere Möglichkeiten an ein Rösslitram zu
kommen: Das Verkehrshaus Luzern mit der Replika eines Zürcher Wagens, die
Verkehrsbetriebe Neuenburg mit einem aus der Pferdebahnzeit stammenden Anhänger sowie die Kollegen vom
Strassenbahnmuseum Stuttgart mit ihrem Sommerwagen. Die Anfrage des TMZ
stiess überall auf wohlwollende Zustimmung, nun galt es die Rahmenbedingungen zu klären.
Rasch stellte sich heraus, der Transport wie man meinen könnte war nicht
das teuerste; es war die Versicherung. Dazu mussten noch zuggewohnte Pferde gefunden
werden, für den Anlass war zu werben und so weiter... .
Rasch war klar, ohne Sponsoren geht nichts, so viel Bratwürste und Getränke deckten diesen Aufwand nie.
Das liebe GeldAlso zahlreiche Briefe und Telefonate an Banken, alt eingesessene Zürcher Geschäfte und Unternehmungen, Einkaufszentren und so weiter. Frustrierend, von vielen Seiten keinerlei Reaktion auf unsere Anfragen, Absagen aber auch Zusagen! Als Sponsoren und Partner beteiligten sich:
Herr Richard Sprüngli
Elektrizitätswerk der Stadt Zürich
Einkaufszentrum Letzipark
Migros Kulturprozent
Die Finanzierung war gesichert! Nun konnte definitiv geplant werden. Mit dem Letzipark entstand eine kleine Ausstellung im Vorfeld des Anlasses. Mit Loisl Bildern, der aus Freiburg im Breisgau ausgeliehenen Handhebeldraisine sowie unserem Postrolli und der Modellanlage. Die VBZ unterstützte uns mit einem Gratisaushang des Festplakates und einem ganzseitigen Inserat in 20 Minuten, diese Zeitung liegt ja im Tram aus.
Für diese Werbemittel musste eine professionelle Gestaltung her!
Ebenso für das Rösslitrambillett, als (auch später verwendbare Postkarte) gestaltet.
Auch das kostete einigen Aufwand, doch das Ergebnis durfte sich sehen lassen. Mit der
Carte BLANCHE des Tages-Anzeigers gingen wir ebenfalls eine Kooperation ein, die
Leserschaft dieser grossen Zeitung konnte von Gratisfahrten profitieren; im Gegenzug wurde
für die Rösslitramfahrten (und das Tram-Fest grossflächig) geworben.
Neben all den administrativen Fragen standen dann die Transporte der Fahrzeuge an. Hier fanden wir in Ernst Autotransport einen Partner zu günstigen Konditionen. Für den Ablad bot sich die nahe gelegene Schleife Hardturm an, dort befindet sich ein nicht mit Fahrleitung überspanntes Gleis. Doch das wichtigste beim Rösslitram: Die Rosse. Zuggewohnte Pferde zu finden ist eine Sache, dazu noch solche, welche gewohnt sind einspännig zu fahren eine Andere. Hans Nikles aus Zürich, der Kontakt kam über die Zunft Höngg zu Stande, war unser Mann und gleich von der Sache begeistert. Doch auch hier galt es umsichtig zu planen. Am Dienstag vor dem Fest gab es "Probefahrten" mit den am Montag angelieferten Wagen, eine unliebsame Überraschung konnten wir uns am Pressetermin vom Donnerstag ja kaum leisten. "Köngisetappe" der Rösslitramfahrten beim Depot Hard waren übrigens die Gitterroste der Tram-Waschanlage. Hier sprang eine Baufirma ein, welche uns alte Förderbandmatten aus Gummi auslieh.
Für den Dampfzug der Zürcher-Museumsbahn war eine Bewilligung der Stadt zum Befahren des Industriegleises einzuholen und die entsprechende Versicherung nachzuweisen, Orte für den Wasserbezug der Dampflok waren zu finden. Die Forchbahn brauchte ab Stadelhofen einen Lotsen für die Hin- und Rückfahrt und für die Mannschaft der Freiburger Handhebeldraisine war das Hotel zu reservieren.
Antrieb 1 PferdDie Planung des Tramkorsos machte auch Fortschritte, doch rief der Einsatz des Rösslitrams auch das Bundesamt für Verkehr auf den Plan. Eine befristete Betriebsbewilligung war nötig, dazu musste ein Einsatzkonzept nach Bern geschickt werden; ein Nachweis der Betriebssicherheit (Bremsprobe) und dass unser Schneefegewagen voraus fuhr hatte auch seine Gründe:
- Überfuhr der Pferdebahn zum Startpunkt Abstellanlage Gessneralle
- Vorausfahrt um die elektrischen Weichen zu stellen
- Angstfahrzeug bei Problemen mit dem Pferd "Jonny"
- Rückfuhr der Pferdebahn nach Auflösung des Korso am Central
Zum Schluss war neben der Polizeibegleitung, die Stadtpolizei
sperrte mit Motorradfahrern den Querverkehr, auch noch ein Aufstellplatz für den
Pferdeanhänger im Kreis 1 zu finden... Also Problemstellungen aller Art!
Dass es neben einer Festwirtschaftsbewilligung noch eine baupolizeiliche Abnahme des 100 Jahre alten Karussells brauchte sei nur am Rande vermerkt, auch eine Wanderlagerbewilligung des Kantons benötigten wir für den Verkauf... Einzig für die Feldbahn, da erklärte sich kein Amt dafür zuständig; wir haben auch nicht Insistiert. (eine Gesetzeslücke?).
Nach so viel Vorbereitungen, da musste es einfach klappen! Und es klappte. Die Medienorientierung vom
Donnerstagmorgen bewirkte im Vorfeld zahlreiche Berichte über das Rösslitram und den
Festanlass. Und dann kam das Wochenende, bei
heissem Wetter (in unserem "Personalzimmer" hatte es nachher 64 leere 1,5 l Mineralwasserflaschen) kamen
erstaunlich viele Leute. Das Rösslitram der Publikumsliebling, die Schattenplätze der
Beiz am Limmatufer waren begehrt und die Tramwagen, inklusive dem von uns bewirteten
Chuchichäschtli samt Cabrioanhänger, gut besetzt. Das Karussell drehte seine Runden, die
Orgel verbreitete populäre Weisen und die Feldbahn tuckerte hin und her. Trotz der Hitze
fanden sich auch sportliche Naturen auf der Handhebeldraisine und den Schienenvelos ein.
Kurzum ein voller Erfolg. Und am Montag danach, neben dem grossen Aufräumen in der Presse
zahlreiche Berichte, die Neue Zürcher Zeitung sogar ganzseitig. Einmal mehr war die
grosse Popularität des Züri-Trams bewiesen und das Tram-Museum konnte sich auf
sympathische Art ins Bewusstsein, und sicher auch etwas die Herzen der Zürcherinnen und
Zürcher bringen. Allen Gönnern, Sponsoren und Helferinnen und Helfern herzlichen Dank.
Es war die Anstrengung wert!
Alle zu vergrössernden Fotos: R. Walaulta
Letzte Änderungen: 30.08.2006
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