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An der Rettung und Übernahme des B2 55 der Schaffhauser Strassenbahn war unser Gründungsmitglied und langjähriger Präsident Josef Balen massgeblich beteiligt; lassen wir ihn an dieser Stelle zu Worte kommen:
"Die Umstellung des Schaffhauser Trambetriebes auf Trolleybus im September 1966 kann als Initialzündung für die Gründung des Vereins Tram-Museum Zürich angesehen werden. Der Tod des Schaffhauser Trams war gewissermassen die Geburt des TMZ!
Die Anhänger Nr. 52 - 57 der Schaffhauser Strassenbahn waren identisch mit denjenigen der Städtischen Strassenbahn Zürich, der Serie 501 - 572 in ihrem Ursprungszustand.
So bot sich denn im September 1966 die einmalige Gelegenheit einen Anhängewagen dieser Bauart im Originalzustand den späteren Generationen erhalten zu können.
Rechtzeitig wendete ich mich vor der Betriebsumstellung in Schaffhausen an den damaligen Chef der Zentralwerkstätte (ZW) der VBZ, Herrn G.A. Meier, welchen ich von früheren tramtechnischen Kontakten her kannte, um die Möglichkeiten der Übernahme eines solchen Wagens aus Schaffhausen zu prüfen. Gleichzeitig brachte ich auch die Idee eines Zürcher Tram-Museums bei ihm vor. Herr Meier erklärte, dass schon ein Herr Ullmann mit der "Schaffhauser Idee" bei ihm vorstellig geworden sei. Gemeinsam mit Herrn Ullmann habe ich dann die "Aktion 55" und die späteren Aktivitäten, welche dann zur Gründung des Vereins Tram-Museum Zürich führten, "durchgestanden".
Noch vor der Betriebsumstellung hatten wir, Herr Ullmann, Herr Paul Huber von der ZW und ich mit dem damaligen Schaffhauser Depotchef, Herrn Erb, eine eingehende Besprechung. Herr Erb erklärte dabei, dass nach dem Tag der Betriebsumstellung innerhalb einer Woche das ganze Rollmaterial liquidiert werden müsse. Dieser Termindruck war uns in einem gewissen Sinne recht, auf diese Weise hatten die zuständigen VBZ - Organe ebenfalls klar Stellung zu beziehen.
So wechselte denn das Fahrzeug gegen eine Übernahmepreis von Fr. 100.- den Besitzer. Den Bahntransport nach Zürich haben dann in grosszügiger Weise die VBZ übernommen. Der Wagen wurde nun vorerst im Depot Kalkbreite remisiert. Sein erstes Debut für die Öffentlichkeit feierte er in Zürich am 22. Januar 1967 anlässlich der Generalversammlung des Schweiz. Eisenbahn Amateur Klub (SEAK). Als Anhänger hinter einer damals brandneuen Mirage - Doppeltraktion führte die Fahrt nach Oerlikon zur Besichtigung der Maschinenfabrik Oerlikon, später BBC, heute ABB.
Meine damalige Stellung im SEAK als Aktuar und Organisator von Kleinexkursionen im Raume Zürich benützte ich für die Durchführung von Tram - Veranstaltungen um auf diese Weise die Idee eines Tram-Museums bekannt zu machen und zu fördern.
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Wagen 93 und 508, Burgwies Foto: M. Kurz |
Der zweite Auftritt war dann am 25. September 1967, ebenfalls eine SEAK - Exkursion. Folgende Themen wurden an der Veranstaltung präsentiert: Vorführen des äusserlich provisorisch als Ce 2/2 93 hergerichteten ehemaligen Schweisswagens Xe 2/2 1948 und Abschied vom Anhänger C2 508, mit anschliessender letzter Fahrt auf die Forch. Die Überführung der beiden historischen Züge zum Treffpunkt Central klappte sozusagen auf die Sekunde genau. Im Moment als der Zug 93 + 508 vom Depot Irchel herkommend in der Weinbergstrasse das Central erreichte, bog der "Geissbock" (Be 2/3 1031) mit unserem 55 von der Kalkbreite herkommend über die Bahnhofbrücke fahrend in die Haltestelle der Linie 4 ein. Anschliessend fuhren beide Züge zum Depot Burgwies. Dort war die Begeisterung bei der Ankunft der beiden Züge unbeschreiblich und stellte eine würdige Ouvertüre für die einige Tage später stattfindende Gründungsversammlung des Vereins Tram-Museum Zürich dar.
Die damalige Situation, Platzmangel in den Depots und noch kein etablierter Verein, erlaubte es neben dem Schaffhauser B 55 nicht, zusätzlich den Anhänger 508 zu erhalten. Aus den gleichen Gründen musste auch auf die Übernahme eines zweiten Schaffhauser Anhängers verzichtet werden. Diesbezügliche Vorwürfe, aus Unkenntnis der damaligen Sachlage, musste der Vorstand noch jahrelang über sich ergehen lassen. In den folgenden Jahren wurde bei TMZ - Veranstaltungen unser 55 jeweils in der Kalkbreite vorgeführt, in seinem nicht gerade präsentablen Schaffhauser Anstrich ein hässliches graues Entlein!
Im Jahr 1971 konnte aus dem grauen Entlein B 55 aus Schaffhausen unser blau - weisser C 455 entstehen. Anlass dazu bot das 75-jährige Jubiläum des unter kommunaler Regie geführten Strassenbahnbetriebes in Zürich.
Ich schlug den VBZ vor, diesen Anlass entsprechend zu würdigen; vorerst stiess mein Vorschlag nicht auf Begeisterung. Erst der Hinweis, dass Zürich die erste Stadt mit einem derartigen Betrieb in Europa war, überzeugte dann Direktor Latscha und er bewilligte auf diese Feier hin den Neuanstrich des Anhängers in den Zürcher Farben. Eine Ausstellung im alten Depot Kalkbreite und Fahrten von dort aus in die Innenstadt wurden vom Publikum gut besucht und verbreiteten die Idee des Tram-Museums.
Am Fahrzeug selber fand nachträglich noch der Einbau von Schienenbremsen und des Optisch- und Notsignales statt. Dies zur Erhöhung der Betriebssicherheit. Erstaunlicherweise wurde in Schaffhausen bis zum letzen Betriebstag der Verkehr ohne Luft- und Schienenbremse abgewickelt. Dies auch mit Dreiwagenzügen bei doch respektablen Steigungen nach Neuhausen und hinauf zum Ebnat!
Um die Erinnerung an die Schaffhauser Nummer 55 zu bewahren, wählte man als Zürcher Nummer die 455. Eine Wahl welche durchaus Ihre Berechtigung hat, waren doch die Zürcher Wagen 421 - 468 im gleichen ursprünglichen Bauzustand."
Josef Balen
Letzte Änderungen: 30.08.2006
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