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Der Verein «Tram- Museum Zürich» gegründet

Aus der VBZ - Personalzeitschrift "Kontakt", 5/1967

Am 29. September fand im Restaurant Du Pont die Gründungsversammlung des Vereins «Tram-Museum Zürich» statt. Die rund 40 Teilnehmer meldeten sich definitiv durch Eintragung in die Präsenzliste an. In seiner Eröffnungsansprache erwähnte Josef Baien die seit der orientierenden Versammlung vorgefallenen Ereignisse. Am 18.Juni wurden an einem vom Schweiz. Eisenbahnamateurklub organisierten Ausflug rund 120 Personen mit einem alten Vierwagenzug über das Netz der Verkehrsbetriebe geführt.

Rechtsanwalt Dr. Frick hatte freundlicherweise zuhanden der Versammlung die Statuten ausgearbeitet.

Anschliessend wurden die Traktanden ausführlich diskutiert und in verschiedenen Punkten geändert. So finden nunmehr die Versammlungen im Frühjahr und Herbst statt. Die Statuten werden neu geschrieben und allen Mitgliedern zugestellt. - Gleichzeitig wurde der Mitgliederbeitrag bis Ende 1968 (13 Monate) mit der Einschreibegebühr auf Fr.30.- (Junioren bis 20 Jahren Fr.10.-) festgelegt. Firmenmitglieder zahlen Fr.80.- bis Ende 1968. Der Vorstand wurde wie folgt gewählt: Präsident: Josef Balen; Vizepräsident: Marcel Ulmann; Beisitzer: F. Vogel, R. Blumer, A. Honegger, W.Trüb; Revisoren: S. Boos, J. Eggenberger.

Es werden nunmehr die administrativen Arbeiten organisiert und mit den VBZ zwecks Verankerung des Fahrzeugbesitzes Verhandlungen aufgenommen. Weiterhin findet wie bis anhin am 1. Freitag im Monat der Hock in der Braustube Hürlimann. Bahnhofplatz, 1. Stock statt.

Das Bedürfnis und die Vorgeschichte

Vor der starken Verbreitung der Motorfahrzeuge waren es die öffentlichen Verkehrsmittel, und vor allem die Strassenbahnen, die den Hauptteil des Verkehrs bestritten. Auf älteren Aufnahmen bis zum Zweiten Weltkrieg fällt die dominierende Stellung des Trams besonders auf. Die Strassenbahn hat erst die Entwicklung zur Grossstadt ermöglicht, indem sie preiswerte Verbindungen vom Zentrum zu den aufstrebenden Vororten schuf und damit die Besiedlung grösserer Gebiete realisierbar machte. Infolge der Bedeutung der Strassenbahn im Stadtbild war man von Anfang an darauf bedacht den Fahrzeugen ein gefälliges Aussehen zu geben, das unbeschadet Jahrzehnte überstehen konnte. Die meisten der vor dem Zweiten Weltkrieg beschafften Fahrzeuge haben heute nun ein Alter erreicht, das aus Gründen des rationellen Unterhalts, aber auch des rationellen Einsatzes im Betrieb, eine Weiterverwendung im Verkehr nicht mehr gestattet. Das Erneuerungsprogramm der Verkehrsbetriebe wird in knapp zwei Jahren abgeschlossen sein. Unwillkürlich drängte sich die Frage auf, ob es nicht zweckmässig sei, einige repräsentative Fahrzeuge der Nachwelt zu erhalten, um damit einen wichtigen Zeitabschnitt in unserer Stadtgeschichte zu dokumentieren. Ähnlichen Zwecken dient das Verkehrshaus der Schweiz, das sich aber infolge der wesentlich weiter gespannten Aufgaben auch in Zukunft nicht im gewünschten Ausmass mit lokalen Dokumentationen befassen kann.

Vor rund zwei Jahren gelangte Josef Baien an die Verkehrsbetriebe Zürich mit der Anfrage, ob ein solches Unternehmen wie die Erhaltung älterer Fahrzeuge sowie deren Zusammenfassung in einem Museum grundsätzlich möglich sei. In der Folge wurde von Herrn G.A. Meier, dem Chef des Strassenbahndienstes, ein Plan ausgearbeitet und der Direktion unterbreitet. Nach der grundsätzlichen Abklärung über die Art und Anzahl der zu beschaffenden Fahrzeuge mussten die ersten Schritte sehr rasch vorgenommen werden, damit nicht Fahrzeuge vorzeitig abgebrochen würden. Das erste beschaffte Fahrzeug war der Anhänger Nr. 55 der Verkehrsbetriebe Schaffhausen. Ende September 1966 wurde dort der Betrieb eingestellt, und der besterhaltene Anhänger nach Zürich transportiert. Der Grund für diese auswärtige Beschaffung war, dass die entsprechenden Zürcher Anhänger verschiedentlich umgebaut worden waren, während die Schaffhauser Fahrzeuge, die grundsätzlich gleich gebaut waren, noch im Originalzustand waren, und somit den Zürcher Anhängern um die Jahrhundertwende entsprachen. Das nächste Fahrzeug war der Diensttriebwagen der Forchbahn, Nr. 51, der bis letzten Winter gelegentlich noch als Schneepflug benützt wurde und jetzt infolge der Neulieferung von Fahrzeugen nicht mehr benützt wurde. Dieses Fahrzeug gehörte ursprünglich der Strassenbahn Zürich - Oerlikon - Seebach mit der Nr. 1 und ist das einzige Fahrzeug in der Schweiz, das im Ursprungszustand noch offene Führerstände aufwies. Alle übrigen wurden abgebrochen.

Am 1. April 1967 wurde dieses historisch wertvolle Fahrzeug von seinem ungeschützten Standort in Esslingen auf die Forch geschleppt und dort bis zum Eintreffen der neuen Steuerwagen hinter dem Depot aufgestellt. Anfang August wurde es dann im Depot Burgwies remisiert. Inzwischen waren die weiteren vorgesehenen Fahrzeuge im Depot Wollishofen remisiert worden. Erst kürzlich wurde beim geplanten Abbruch des Schweisswagens Nr.1948 entdeckt, dass sich darunter ein Motorwagen der Limmattalstrassenbahn verbarg. Mit etwas Farbe wurde das Fahrzeug im Stile von 1910 wieder hergerichtet und anschliessend der Presse und weiteren Eisenbahn- und Strassenbahnfreunden vorgeführt. Damit waren vorläufig alle notwendigen Fahrzeuge gesichert.

Bei dieser Gelegenheit darf erwähnt werden, dass dieses Museum durchaus nicht einmalig ist. In den meisten Ländern Europas bestehen ähnliche Vereinigungen, während in Grossbritannien, den USA sowie Australien und Neuseeland bereits «rollende» Museen bestehen. Mit allen diesen Vereinigungen soll ein Erfahrungsaustausch gepflegt werden.

Pläne für die Zukunft

Für die Verwirklichung dieses Vorhabens hätte man verschiedenen Wegen folgen können. Eine oft geäusserte Idee, das Aufstellen einzelner Fahrzeuge auf einem Sockel im Freien, ist nicht realisierbar, da diese Wagen, die meist aus Holz gebaut sind, rasch der Witterung als auch den lokalen Vandalen zum Opfer fallen. Die feste Aufstellung in einem Museum ist wohl besser, entspricht aber nicht dem heutigen Trend, nach dem man die Fahrzeuge möglichst in Bewegung, in ihrer natürlichen Umgebung sehen möchte. Es ist deshalb vorgesehen, die Fahrzeuge an einem geeigneten Ort zusammenzufassen, sie wieder in den Originalzustand zurückzuverwandeln und sie dann von Zeit zu Zeit, wie beim Anlass des 100-Jahre-Jubiläums der VBZ, der Öffentlichkeit vorzuführen. Ferner sollen Dokumente und Einzelteile gesammelt werden, die dann in einem Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Dieses Unternehmen wird viele Jahre bis zur Verwirklichung brauchen. Wir zählen dabei auf die Unterstützung und Förderung durch die Zürcher Bevölkerung. Ähnliche Erfahrungen im Ausland sowie im Verkehrshaus Luzern, mit dem wir übrigens die Zusammenarbeit pflegen, haben uns gezeigt, dass sich ein solches Unternehmen in jeder Beziehung lohnt.

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Letzte Änderungen: 30.08.2006


Skizze Tramzug

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