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Die Altstätten - Berneck Bahn, Beschreibung von 1905

Der folgende Text stammt aus einem 1905 erschienenen Fachbuch. Die erwähnten Angaben sind jedoch sehr genau und dürften so auch auf einige andere Strassenbahnen zugetroffen haben.

Die Bahn erstreckt sich vom Bahnhofe Altstätten bis zum Rathause in Berneck und hat eine Länge von 11,7 km. Der Unterbau der vollständig auf der Staatsstrasse verlegten Bahn besteht aus einer Steinbettung von 200 mm Breite und 180 mm Stärke, auf welcher sich eine, Kiesschichte von 65 mm Höhe befindet.

Die grösste Steigung liegt In :Berneck und beträgt auf einer Länge von 55 m 52 ‰ die mittlere Steigung misst 13;75 ‰.

Das mit Meterspur ausgeführte Geleise ist aus Hartwigschienen von 109 mm Fussbreite, 135 mm Höhe und 24,5 kg Gewicht pro Laufmeter hergestellt. Der kleinste Kurvenhalbmesser misst 125 m.

Der 8 mm starke Fahrdraht ist auf hölzernen Masten mit Gasrohrausleger 6 m oberhalb Schienenoberkante aufgehängt und gegen Erde doppelt isoliert. Die Fahrdrahtleitung ist in zwei voneinander unabhängige Teile zerlegt, deren Speisung von der im Schöntal gelegenen Kraftzentrale erfolgt. Für den nach Berneck sich erstreckende zweiten Teil der Fahrdrahtleitung wurde eine auf dem Fahrdrahtgestänge geführte Speiseleitung, bestehend aus einem 8 mm Draht, vorgesehen, welche in Berneck an die Fahrdrahtleitung angeschlossen ist.

Die Personenmotorwagen haben folgende Abmessungen:

Gesamtlänge über die Puffer gemessen 7,5 m,
Länge des Wagenkastens 5,6 m,
Länge einer Plattform 0,95 m,
Breite des Wagenkastens 2,1 m,
Lichte Höhe des Wagenkastens 2,33 m,
Radstand: 2 m,
Nettogewicht. 6;5 t.

Das Untergestell ist aus Fassoneisen hergestellt, der Wagenkasten durch Blattfedern abgefedert. Die Sitze werden durch Holzlatten gebildet und sind quer zur Wagenachse angeordnet. Die Plattformen werden durch abnehmbare Türen, welche durch einen Klinkenverschluss festgelegt werden, abgeschlossen. Die Wagen bieten Platz für 24 Personen. Die Beleuchtung und Beheizung der Wagen ist elektrisch eingerichtet. Da jedoch die Wagen auf Strassen verkehren, welche bei Nacht nicht beleuchtet sind wurden an den Stirnwänden Petroleumnotlampen angeordnet, welche zugleich als Signallampen dienen.

Die Betriebsspannung beträgt 600 Volt. Mit Ausnahme eines einzigen Wagens, welcher mit zwei Motoren ausgerüstet ist, um eventuell einen Anhängewagen mitführen zu können, haben alle Wagen je eine OERLIKONmotor E. Z. 7. von 18 PS. Leistung, dessen Armatur 59 Nuten mit je 12 Windungen von 2,2/2,8 mm Draht besitzt. Die vier in Serie geschalteten Magnetspulen bestehen au je 120 Windungen von 3,5/4 mm Draht. Die weitere elektrische Ausrüstung der Wagen besteht aus zwei Regulierapparaten, zwei Sicherheitsschaltern, Widerstandskasten und Sicherungen.

Die Stromabnahme von der Fahrdrahtleitung erfolgt durch Kontaktrolle. Die elektrischen Schienenverbindungen werden durch 6 mm-Kupferdrähte, welch mit den Schienen vernietet sind, gebildet.

Zur Stromlieferung dienen eine in Weidest gelegene hydroelektrische Anlag und eine Reservekraftzentrale in Altstätten (Schöntal).

Das zum Betriebe der hydroelektrischen Anlage nötige Kraftwasser wird dem Brendenbache und der Ebenackerquelle entnommen. Das Wasser des Brendenbaches wird in einem Reservoir von 1000 m3 Inhalt gesammelt, hierauf in einem Schlammsammler von 40 m3 Inhalt gereinigt und dem Maschinenhause durch eine 1,7 km lang Druckrohrleitung von 250 mm lichter Weite zugeführt. Das Nettogefälle beträgt 150 m, die durchschnittliche Wassermenge 55 Sekundenliter. Das Wasser der Ebenackerquell wird in einem Reservoir von 250 m3 Inhalt gefasst und durch eine Druckrohrleitung von 0,47 km Länge und 300 mm lichter Weite dem Maschinenhause zugeführt. Das Nettogefälle beträgt 100 m, die sekundliche Wassermenge 70 Liter.

Von der Ebenackerquelle wird eine 100 PS., vom Brendenbache eine 70 PS Hochdruckturbine gespeist. Mit ersterer ist ein Einphasenwechselstromgenerator (OERLIKON induktortype) direkt gekuppelt, welcher Strom von 2100 Volt Spannung und 50 sekundlichen Perioden bei 600 Umdrehungen in der Minute liefert. Dieser Strom dient zu Beleuchtungszwecken.

Der Bahnbetriebsstrom von 600 Volt Spannung wird durch eine mit der kleinereren Turbine gekuppelte 47 K.W.-Gleichstromdynamo geliefert, welche 600 Umdrehungen in der Minute macht. Die Maschine (OERLIKONtype NNA IX) ist mit Ringwickelung versehen und besitzt ein Magnetgestell mit vier aufgeschraubten Polkernen. Die Armatur hat einen Eisendurchmesser von 540 mm, eine Eisenbreite von 360 mm und 160 .Nuten, in denen sich je 5 Drähte von 3/3,6 mm Durchmesser befinden. Die Magnetbohrung beträgt 533 mm. Die vier Magnetspulen bestehen aus je 4674 Windungen von 1,1/1,5 mm Draht für den Nehenschluss und 24 Windungen von 5 x 12 mm Kupferband für die Kompoundierung.

In der Reservezentrale im Schöntal ist eine 50 PS. Kompoundlokomobile aufgestellt, welche zum Betriebe eines 32,4 K.W. Einphasenwechselstromgenerators und eine 33 K.W. kompoundierten Gleichstromdynamo dient und bei 750 Umdrehungen in der Minute Strom von 600 Volt liefert. Ihr Armatureisendurchmesser misst 410 mm, ihre Eisenbreite 320 mm; ihre Nutenzahl beträgt 76. Der Wechselstromgenerator, welcher Strom von 2100 Volt und 50 sekundlichen Perioden liefert, hat pro Armaturhälfte 8 Nuten mit je 8 Doppelspulen, die aus je 48 Windungen von 2,5/3,1 mm Draht bestehen. Beide Maschinen besitzen drei Lager, Voll- und Leerscheibe.

Die Apparatenanlagen sind mit den zur Beleuchtung, zum Strassenbahnbetriebe, zur Bedienung der Maschinen und Batterie, sowie zum Parallelschalte beider Kraftzentralen so ausgerüstet, dass folgende Betriebskombinationen möglich sind:

1. Die Kraftzentrale Weidest ist in Betrieb, jene im Schöntal abgestellt. Die Gleichstromdynamo arbeitet parallel mit der Pufferbatterie, die aus 300 Elementen besteht und eine Kapazität von 60 Amperestunden besitzt, auf das Bahnnetz, der Wechselstromgenerator auf das Beleuchtungsnetz.

2. Die Kraftzentrale Weidest ist in Betrieb, ihre Gleichstromdynamo arbeit parallel mit der Pufferbatterie auf das Bahnnetz oder gleichzeitig auch auf die Dynamo im Schöntal, welche als Motor arbeitend, den daselbst befindlichen Generator zur Unterstützung des in Weidest arbeitenden Wechselstromgenerators treibt, oder der im Schöntal befindliche Generator wird durch das Lokomobile betätigt und arbeitet parallel mit dem Einphasenwechselstromgenerator in Weidest.

3. Beide Gleichstrommaschinen arbeiten parallel mit der Batterie auf das Bahnnetz.

4. Die Gleichstrommaschine im Schöntal wird durch das Lokomobile oder durch den daselbst befindlichen, als Synchronmotor laufenden und von Weidest aus gespeisten Einphasenwechselstromgenerator angetrieben und arbeitet parallel mit der in Weide befindlichen.

5. Wird eine Maschine in einer Zentrale betriebsunfähig, so wird sie durch die in der anderen Kraftzentrale befindlichen ersetzt.

Die Verbindung bei der Kraftzentralen erfolgt durch eine aus zwei 5 mm Drähten bestehenden Leitung für den Wechselstrom und einem 8 mm-Draht für den Gleichstrom welche auf Holzmasten von durchschnittlich 50 m Abstand geführt sind.

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Letzte Änderungen: 10.10.03


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