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Aus der VBZ-Personalzeitschrift "Kontakt", 5/1981
Die 1875 eröffnete linksufrige Zürichseebahn stellte in der damals noch selbständigen Gemeinde Enge (wie auch in Wiedikon und Aussersihl) für die Strassenbahn während längerer Zeit ein grosses Hindernis dar: Es durfte nämlich die 1882 in Betrieb genommene Pferdebahnlinie Paradeplatz - Stockgasse (Brunaustrasse) nicht durchgehend befahren werden, sondern die Fahrgäste hatten beim Bahnübergang Tunnelstrasse von einem Wagen in den anderen umzusteigen und dabei die Bahngleise zu Fuss zu überqueren. Immerhin erleichterten seit 1900 eine hölzerne Schutzhütte und seit 1907 eine Passerelle das Warten auf den Anschlusskurs bzw. das Umgehen der öfters geschlossenen Barrieren. Ebenso war der Endpunkt der 1899 erbauten elektrischen Linie Bellevue - Bürkliplatz - Enge durch den damaligen Bahnhof Enge bestimmt, der sich etwa im Gebiete der Alfred Escher-Strasse befand.
Zur Pferdebahnlinie ist zu bemerken, dass die eingleisige Strecke einige Ausweichstellen besass, unter anderen eine «Ausweiche Bedergasse» bei der heutigen Abzweigung Seestrasse / Bederstrasse. Bekanntlich wurde das ganze Pferdebahnnetz im Jahre 1900 durch die städtische Strassenbahn auf Meterspur umgebaut und elektrifiziert. Die Überfuhr des letzten Pferdebahnwagens, bekränzt und beflaggt, von der Seestrasse in der Enge ins Depot Seefeld fand am 17. September 1900 statt, allerdings nicht mehr auf den Schienen, sondern auf dem holperigen Strassenpflaster.
Gleichzeitig mit diesem Umbau wurde die Engemmer Linie von der Brunaustrasse bis ins Morgental Wollishofen verlängert sowie eine Zweiglinie vom Bahnübergang Enge durch die Bederstrasse zur Utobrücke erstellt. Damit ist die Gegend des heutigen Bahnhofes Enge bereits zu einem zwar bescheidenen Knotenpunkt geworden. Während die Stammstrecke auf Doppelspur ausgebaut wurde, erstellte man die beiden neuen Teilstücke vorläufig nur eingleisig, ebenso den Bahnübergang, der nach wie vor nur von Leerwagen befahren werden durfte.
In den Jahren zwischen 1905 und 1912 erhielten die beiden Aussenäste das zweite Gleis, und vor dem Bahnübergang wurde zum Wenden der aus der Stadt kommenden Anhängerzüge eine Wendeschleife erstellt, die vom Bleicherweg durch die Dreikönigstrasse und die Mythenstrasse (heute Genferstrasse) zurück in den Bleicherweg führte. Ebenso liess sich 1920 auf dem grossen Alfred Escher-Platz vor dem alten Bahnhof Enge eine Wendeschleife verwirklichen.
Im Zusammenhang mit der Verlegung der Seebahn aus der Achse Tunnelstrasse / AIfred Escher-Strasse in die neue, vertiefte Lage zwischen Grütli- und Seestrasse, was nebst Tunnelbauten und Sihlverlegung den Neubau des Bahnhofes Zürich-Enge am heutigen Tessinerplatz bedingte, musste auch das Tramnetz der neuen Situation angepasst werden: Schon vor dem Bahnbau wurde die Bederstrasse samt ihrer Tramlinie mittels einer Brücke über das zukünftige Bahnareal geführt, und zwar in einer Kuppe mit einem extrem kleinen Ausrundungsradius. Nach Aufhebung des Bahnüberganges bei der Tunnelstrasse konnte endlich das Tramtrassee durchgehend auf Doppelspur ausgebaut und das lästige Umsteigen vermieden werden. Gleichzeitig verlängerte man die Linie in der General Wille-Strasse vom bisherigen zum neuen Bahnhof Enge, wo nun die Tramzüge mittels einer grossen Schleife von der Seestrasse durch die AIfred Escher-Strasse zurück in die General Wille-Strasse wenden konnten. Die Inbetriebnahme dieser neuen Bahn- und Strassenbahn-Anlagen erfolgte im Jahre 1927 und ermöglichte den Abbruch der beiden früher erwähnten provisorischen Endschleifen.
An späteren Ergänzungsbauten sind zu erwähnen die doppelspurige Verbindungskurve Bleicherweg -Alfred Escher-Strasse, die den Sonderkursen der Landi 1939 als Zufahrt zum Eingang Enge diente, sowie die Kurve Alfred Escher-Strasse / General Wille-Strasse in Richtung Tessinerplatz, die einige Jahre danach den Wagen der Linie 22 und später jenen der Linie 10 das Wenden in der Enge ermöglichte. 1965 mussten dann wegen des Baues der Strassenunterführung unter dem Bleicherweg die Gleise in der Alfred Escher-Strasse aufgegeben werden; ein Ersatz dafür fand sich in der sehr engen Schleife Lavaterstrasse, welche einen minimalen Kurvenradius von nur 14½ Metern aufweist. Im Zusammenhang mit dem Abbruch der in der Schleife liegenden Gebäude, von denen einige Mauerreste noch die Kästen für Weichensteuerung und Weichenheizung zu tragen haben, sowie mit dem beabsichtigten Neubau der Häuserzeile an der Lavaterstrasse, spricht man von einer Neugestaltung des Tessinerplatzes, welche auch einen Umbau der Gleisanlagen zur Folge haben könnte und vielleicht eine Ausfahrt aus der Schleife in Richtung Wollishofen ermöglichen würde.
Zum Schluss darf noch erwähnt werden, dass der heutige Bahnhof Enge zur Zeit der Projektierung der Bahnverlegung von 1927 auch Aussichten hatte, zum Endpunkt sowohl der Sihltalbahn, als auch der Üetlibergbahn zu werden. Offenbar der hohen Kosten wegen wurde diese Idee nicht verwirklicht, doch sind heute Bestrebungen im Gange, einen Anschluss an die Bundesbahnen und an die innerstädtischen Verkehrsmittel beim Hauptbahnhof zu finden.
P. Manz
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Die Situation von 1911 bis 1927. |
Letzte Änderungen: 13.10.03
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