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Lisebethli - Es war einmal...

Beni Liedl (Jahrgang 1905), ehemaliges Ehrenmitglied.

Die LSB-Strecke Marienstrasse - Dietikon 1915 - 1927

Die Marienstrasse war eine der bekanntesten Umsteigestellen der St.St.Z. Östlich davon wendeten die Linien 2 und 6 in einer Kehrschlaufe vor dem Depot Kalkbreite. Die Linie 2 hatte Anhängewagen. Die doppelspurige SBB - Bahnlinie trennte die westlichen Quartiere von Aussersihl und Wiedikon von der Stadt. Der Bahnübergang wurde bis ca. 1925 durch Stossbarrieren, bedient durch zwei Mann, und ab 1925 durch Schwenkbarrieren gesichert. Über den Bahnübergang war das Tramgeleise einspurig und wurde nur zur Fahrt ins Depot benützt. Als die SBB-Linie 1922/23 elektrifiziert wurde, war dies sehr kompliziert. Bei einer Tramüberfahrt wurde auch der SBB-Fahrstrom unterbrochen. Die Umschaltstation befand sich neben der Bahnwärterbude. Westlich des Bahnübergangs begann die Strecke nach Altstetten, Schlieren, Dietikon. Die ersten 50 Meter waren einspurig, dann Doppelspur bis zur Stadtgrenze (heute Letzigraben). Bei der Haltestelle Zypressenstrasse war eine Übergangsweiche eingebaut; diese wurde nur an Allerheiligen und Allerseelen benützt von einem Wagen der Serie 57 bis 84 mit einer Aufstecktafel «Zentral - Friedhof».

Als noch Dampfbetrieb auf der linksufrigen SBB - Linie war, pustete werktags ausgerechnet um 12 Uhr mittags vom Güterbahnhof her ein Riesengüterzug mit einer viel zu schwachen Lokomotive über den Übergang Marienstrasse. Hinter der Barriere wartete geduldig ein LSB-Wagen, der gestürmt wurde, wenn die Schranke geöffnet wurde, natürlich von Passagieren, die nur über eine kurze Strecke fuhren. Dem wurde abgeholfen, indem die Stirnfront des Wagens auf der Stadtseite eine grosse Aufstecktafel bekam: «Ohne Anhalt bis Stadtgrenze». So kam die LSB zu ihrem Schnelltram. An der Stadtgrenze (heute Letzigraben) wurden die Kondukteure ausgewechselt. Die Wagenführer blieben auf ihren Wagen. So fuhr der LSB - Führer bis Marienstrasse und der St.St.Zetler fuhr mit einem städtischen Wagen bis Altstetten. Die Wagen der Linie 2 stammten meistens vom Hönggertram Nr. 1 - 6 und der Industriequartier - Strassenbahn Nr. 11 - 19. Die Linie Marienstrasse - Stadtgrenze wurde zusätzlich an Werktagen morgens, mittags und abends im 6-Minutenbetrieb durch die Linie 22 (braune Tafeln) betrieben. Das Tempo war «gemächlich». Der Mendrisio - Motorwagen Nr. 4, schön in «Züriblau» bemalt, mit der städtischen Nummer 21, mit noch Original - Luftdruckbremse, der Kompressor von einer Achse angetrieben, mit 1000 Volt - Motoren, schlich an Werktagen auf dieser Strecke. An Sonntagen wurde dieser Wagen auf der Forchbahn - Strecke mit 1200 Volt Fahrdrahtspannung eingesetzt; das ging dann als Solofahrzeug rassig vorwärts. Die Haltestellen auf der Strecke Marienstrasse - Stadtgrenze hiessen: Marthastrasse, Zypressenstrasse, Hardau, Pilgerbrunnen und Bienenstrasse. Es waren alles Haltestellen mit Halt auf Verlangen, ausser der Haltestelle Hardau, an der jedes Tram anhielt.

Das Wagenmaterial der LSB

Die Trittbretter zum Einsteigen in die Wagen waren höher angeordnet als bei den Wagen der St.St.Z., sodass sich in den 20er Jahren die modernen jungen Damen mit ihren engen Jupes an den Haltegriffen hochziehen mussten. Im Winter wurden die vier elektrischen Öfen sehr geschätzt. Die Wagen der St.St.Z. hatten nur zwei Öfen. Jede zweite Latte an den Langsitzbänken der LSB war braun gestrichen, nicht gerade schön. Auch die Abteiltüren waren mit einer «braunschwarzen Sauce» angestrichen, damit der Wagenführer nicht geblendet wurde. Beleuchtung: Die Perronlampen hatten zwei Glühlampen. Wollte der Kondukteur auf dem vorderen Perron das Licht einschalten, um Billette zu verkaufen, dann löschte der Dachscheinwerfer aus und der Wagenführer sah zweimal nichts. Der Wagen Nr. 10 hatte fast keine Zähne mehr an den Übersetzungszahnrädern. Das dadurch verursachte Geräusch hörte man an der Haltestelle Hardau, wenn der Wagen an der Stadtgrenze wegfuhr. Man wusste, es war dann sicher die Nr. 10. Natürlich war dazumal der Verkehrslärm bescheiden.

Gut orientieren konnte man sich, in welche Richtung die Wagen fuhren. Hauptsächlich bei Wagenkreuzungen. Links oben an der Stirnfront war ein Kasten mit fünf beidseitig beschrifteten Tafeln: Zürich, Altstetten, Schlieren, Dietikon und Weiningen. Die Tafeln fielen herunter, wenn man den entsprechenden Knopf Z., A., S., D. oder W. drückte. Diese Buchstaben waren auf dem Perron auf braunem Kasten schwarz aufgemalt. Diese Richtungsanzeigen verschwanden, als die Holzrahmenfenster durch Metallrahmenfenster ersetzt wurden. Die neuen Metallrahmenfenster konnte man ein kleines Stück herunterlassen. Die Wagen der St.St.Z. hatten Aufstecktafeln für die Richtungsanzeige.

Stadtgrenze -Dietikon

Das Trassee war einspurig. Kreuzungsstellen: Beim heutigen Kappeli, beim heutigen Lindenplatz, Mülligen, Schlieren, Schönenwerd. Das Bierdepot der Löwenbräu Dietikon war unterhalb der heutigen Haltestelle Freihof, jetzt Garage AMAG. Dorthin führte nur ein Stumpengeleise. Nach dem Entlad musste der Zug bis zur Stadtgrenze fahren, um den Spritzenmotorwagen als Zugfahrzeug umzustellen, um nach Dietikon zu fahren. In diesem Spritzenwagen hatte es einen Kompressor, der das Wasser doppelt so weit spritzte, als die beiden Sprengwagen der St.St.Z. Nr. 901 und 902, die in der Strassenmitte fuhren.

In Schlieren hatte die Waggonfabrik einen Geleiseanschluss, der direkt auf einer Schiebebühne endete. Auch das Depot war auf dem Areal der Waggonfabrik und war mit einer Schleife um das Restaurant Römerhof mit dem Netz verbunden. Der Kohlenmangel war gegen Ende des Krieges 1914 - 1918 so gross, dass die SBB an Sonntagen nicht mehr fahren konnten. Da hatte die LSB goldene Zeiten. An schönen Sonntagen war zwischen Marienstrasse und Dietikon ein 12-Minutenbetrieb. Der erste Kurs hatte fünf einzelne Motorwagen, der zweite Kurs vier Motorwagen, der dritte Kurs wieder vier Motorwagen usw. Wahrscheinlich waren die Ausweichstellen zu wenig lang. Da das LSB - Wagenmaterial nicht ausreichte, musste die St.St.Z. aushelfen. Zuerst mit Wagen der Industrie - Strassenbahn und Zürich - Höngg, dann buntgemischt die Wagen der übrigen Serien, unter anderem die drei gemieteten dunkelgrünen Quersitzwagen aus Meiringen, mit den städtischen schwarz aufgemalten Nummern 301 bis 303. Zürich hatte, bevor die Elephanten auftauchten, Trams mit Quersitzen genossen, abgesehen von der Forchbahn, welche eine Ueberlandbahn ist. Der St.St.Z. - Wagen Nr. 151 hatte Dachscheinwerfer wie die LSB. Nach einem halben Jahr verschwanden diese Scheinwerfer. Aus was für Gründen wohl?

Schlieren - Weiningen bis 1925

Kreuzung a Niveau mit der SBB in Schlieren. Umsteigen zu Fuss von der Linie Zürich - Dietikon in der Zürcherstrasse bis über den Bahnübergang. Wenn die Wagen ins Depot mussten, mussten diese über viele SBB-Geleise beim Bahnhof «hopsen». Werktags war auf der Schlierener - Seite des Perrons des Wagens ein grosser geflochtener Reisekorb für die Postbeförderung befestigt. An schönen Sonntagen waren auf dieser Strecke zwei Wagen im Einsatz. Die Kreuzungsstelle war beim Restaurant Eckstein in Unterengstringen. Die Kreuzung hatte nur eine Weiche, weshalb der zuerst angekommene Wagen auf das Stumpengeleise fahren musste. In Schlieren wurde der Niveau - Bahnübergang ca. 1925 aufgehoben wegen der Elektrifikation der SBB - Strecke. Vorher war dies ein unmöglicher Zustand. Die LSB wurde über die neuerbaute Überwerfung umgeleitet; dadurch wurde Weiningen direkt mit Zürich verbunden.

1927 Das grosse Ereignis für die LSB

927 fährt die linksufrige Zürichseelinie der SBB in einem tiefen Graben. Der Name «Marienstrasse» verschwindet aus dem Vocabular der St.St.Z. Die LSB fährt nun bis zum Hauptbahnhof. Auch die Linie 2 fährt jetzt durchgehend mit Anhängewagen bis zum Letzigraben. Am Letzigraben wurde eine Kehrschleife errichtet. Die Haltestellen auf Stadtgebiet heissen jetzt: Kalkbreite, Sihlfeldstrasse, Zypressenstrasse, Albisriederplatz; dann keine Haltestelle mehr bis zum Letzigraben. Am Albisriederplatz zweigt die Tramlinie nach Albisrieden ab. Für den Ausgleich der Wagen am Letzigraben wurde die Linie 20 gegründet. Am Letzigraben wurde das gesamte Personal ausgetauscht, auch die Wagenführer. Auch die Linie 20 fuhr die Strecke vom Hauptbahnhof bis Weiningen. Die LSB-Wagen hatten neben den Dachscheinwerfern die Nummerntafel 20, abends ohne Beleuchtung. Die Linie Schlieren - Dietikon musste aufgegeben werden, der Oberbau war so schlecht, dass das Amt für Verkehr in Bern ein Maximaltempo von 10 km/h vorschrieb. Diese Strecke wurde der Anfang für den Busbetrieb. Spätere Linien folgten.

Beni Liedl

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Letzte Änderungen: 30.09.03


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