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Die Elektrische Strassenbahn Zürich (ESZ), 1894 - 1896

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Betriebseröffnung: 08.03.1894 Burgwies - Kreuzplatz - Bellevue - Pfauen - Römerhof - Kreuzplatz  (4.627 km)
Übernahme: 01.07.1896 an die StStZ

Vorgeschichte

Am 8. März 1894 rollte die erste elektrische Strassenbahn durch Zürichs Strassen. Im Jahre 1882, mit der Inbetriebnahme des Rösslitrams erhielt die am rechten Seeufer gelegene Gemeinde Riesbach ihre Strassenbahnverbindung mit der Stadt Zürich. So erwachte denn bald auch in den beiden höher gelegenen Orten Hottingen und Hirslanden der Wunsch nach einer Schienenverbindung mit der Stadt. Es bildeten sich in den beiden Gemeinden Interessentengruppen, welche die verschiedensten Projekte ausarbeiten liessen. Die Jahre gingen dahin, der Bau einer Strassenbahnverbindung wollte nicht gelingen. 1892 lagen baureife Projekte vor für eine dampfbetriebene meterspurige Strassenbahn von Stadelhafen über die Forch nach Grüningen. Ein dampfbetriebenes Tram mit 75 cm Spur bot sich mit der folgenden Streckenführung als weitere Variante an: Pfauen - Römerhof - Kreuzplatz - Stadelhafen -Utoquai - Quaibrücke - Paradeplatz und Pfauen - Bellevue. Schliesslich fehlte auch ein Pferdebahnprojekt nicht; eine normalspurige Strecke sollte vom Paradeplatz aus über die Quaibrücke, den Stadelhafen und den Kreubühl hinauf Hirslanden erreichen. In diesen langen Jahren des Projektierens machte die Technik der elektrischen Traktion für Strassenbahnen derartige Fortschritte, dass der Bau eines elektrischen Trams kaum mehr ein Risiko darstellte. Die Komitees der beiden Gemeinden Hirslanden und Hottingen vereinigten sich und am 23. Mai 1893 wurde die "Elektrische Strassenbahn AG" (ESZ) gegründet. Die lange Wartezeit hat sich in Bezug auf die Wahl der Traktionsart sicher gelohnt.

Bau und Inbetriebnahme

In der heute unwahrscheinlich anmutenden Bauzeit von nur 10 Monaten wurde die ganze Bahn betriebsbereit erstellt. Die Firma Bertschinger in Lenzburg erbaute die Geleiseanlagen. Die elektrischen Einrichtungen, bestehend aus Fahrleitungen und der Kraftstation im Depot Burgwies stammte von der Maschinenfabrik Oerlikon. Diese Kraftstation sicherte die Stromversorgung mittels eines Generators.

Das gesamte Netz, Bellevue - Pfauen - Römerhof - Kreuzplatz und Bellevue - Stadelhofen - Kreuzplatz -Burgwies war einspurig eingerichtet. Einzig das Teilstück Bellevue - Pfauen konnte schon von anfang an doppelspurig betrieben werden, dies im Hinblick auf die im Bau befindliche Zentrale Zürichbergbahn. Sechs Ausweichstellen sorgten für einen sicheren Betriebsablauf.

Den Kreuzungsverkehr am Bellevue mit der normalspurigen Pferdebahn ordnete ein besonders dafür aufgestelltes Reglement.

Die erste Probefahrt konnte am 26. Januar 1894 ausgeführt werden, am 3. März erfolgte die Kollaudation und ein Volksfest feierte am 9. März 1894 die. Eröffnung.

Der Betrieb

Die 4,6 km lange Strecke wurde vom 8. April 1894 an im 6-Minutenbetrieb abgefahren. Zur Einübung des Personals bestand anfänglich bis zu diesem Datum ein 12-Minuten-Intervall. Ein Wagenumlauf über die ganze Strecke dauerte 52 Minuten. Die Reisegeschwindigkeit betrug damals 10 km/h. Eine Geschwindigkeit, die trotz aller technischer Fortschritte der letzten 100 Jahre, verursacht durch den heutigen individuellen Strassenverkehr, kaum höher liegt.

Ausbaupläne

Die sehr guten finanziellen Ergebnisse liessen die Gesellschaft weitere Streckenausbauten ins Auge fassen. Kreuzplatz - Zeltweg - Zentral und Bellevue - Paradeplatz - Enge sollten die nächsten Etappen sein. Der Stadtrat jedoch lehnte die eingereichten Gesuche ab mit der fadenscheinigen Begründung, dass die Maste und Fahrleitungen das Stadtbild empfindlich stören würden. Der wahre Grund für diese Ablehnung jedoch war die sich anbahnende Kommunalisierung der privaten Strassenbahnbetriebe. Die Vielfalt bestehender privater Gesellschaften war dem Verkehrsablauf nicht förderlich und so regten sich denn bald Stimmen, die den Betrieb dieses Verkehrsmittels durch die Stadt Zürich forderten.

Übernahme durch die Stadt Zürich

Mit grosser Mehrheit stimmten die Zürcher Bürger im Jahre 1896 der Vorlage über den Rückkauf der privaten Strassenbahn-Gesellschaften zu. Am 28. Juni 1896 ging die ESZ und die Pferdebahn in der neu gegründeten Städtischen Strassenbahn Zürich (St.St.Z.) auf. Im letzten vollen Betriebsjahr,1895, beförderte die ESZ 1'195'799 Personen. Knapp drei Jahre dauerte das kurze Leben unserer ESZ.

Josef Balen

Die ESZ mit im Hintergrund einem Pferdebahnwagen.
Das Bellevue als Ausgangspunkt der ESZ um 1894. Im Vordergrund ist die Doppelspur sowie ein Wagen der Pferdebahn noch zu erkennen.

Fotos: BAZ

1894 erstellte die Maschinenfabrik Oerlikon einige bemerkenswerte Fotos (Archiv TMZ). Auf allen Fotos ist Wagen Nr. 10 zu sehen, wahrscheinlich benutzte der Fotograf den Wagen auch für seinen Transport. Daraus und aus den immer leeren Wagen lässt sich vermuten, dass die Fotos vor der Betriebseröffnung entstanden.

Auffallend auch die Uniformen des Personals, alle mit Wintermänteln. Die übrigen Personen tragen meist keine Mäntel, oder allenfalls geöffnete Mäntel. Offensichtlich hatten die offenen Plattformen die Mäntel gerechtfertigt. Die Kondukteure sind, obwohl keine Passagiere ersichtlich sind, mit der Umhängetasche ausgerüstet.

Die neue Bahn und insbesondere der Fotograf erregten offensichtlich ein reges Interesse, fast alle Personen schauten Richtung Fotograf. 

Bellevue mit Blick Richtung Rämistrasse hinauf. In der Rämistrasse war von der Eröffnung an eine Doppelspur verlegt. Bemerkenswert die typischen MFO - Masten mitten auf dem unbefestigten Platz. Der Wagen 10 steht abfahrbereit Richtung Burgwies.

TMZ Postkarte Nr. 91 Bestellung

Der Wagen 10 in der Kreuzbühlstrasse Richtung Stadelhofen fahrend.

TMZ Postkarte Nr. 92 Bestellung

Kreuzplatz mit Blick Richtung Römerhof. Der Wagen fährt Richtung Burgwies. Auffällig die Gaslaterne und der Mast mit den Telefonleitungen. Ersichtlich der Streckentrenner zuwischen den Masten mit der Speiseleitung von der Burgwies. 

TMZ Postkarte Nr. 94 Bestellung

Nochmals der Kreuzplatz mit Blick Richtung Stadelhofen. Links Wagen 10 und rechts Nr. 12 mit heruntergeklappter Besetzt Tafel. Rechts auf dem Fahrleitungsmast ist ganz oben die Speiseleitung von der Burgwies zu erkennen.
Erstaunlich, der Kondukteur vor dem Wagen 12 trägt die Umhängetasche über die linke und nicht wie üblich über die rechte Schulter. Kaum zu glauben, dass für Linkshänder eine eigene Regelung bestand. Vielleicht zog er sie nur für den Fotografen an?

TMZ Postkarte Nr. 93 Bestellung


Die Fahrzeuge:

Zwölf zierliche Motorwagen bildeten anfänglich den Fahrpark der ESZ. Die SIG Neuhausen lieferte die Fahrzeuge und die MFO baute die elektrische Ausrüstung ein. Ein einziger Motor von 14 PS sorgte für den Antrieb und erlaubte eine Höchstgeschwindigkeit von 15 km/h. Einzig der Wagen Nr. 7 besass zwei Motoren, damit er im Winter mit einem Schneepflug ausgerüstet werden konnte. 12 Sitz- und 14 Stehplätze stellten das ganze Fassungsvermögen dieser kleinen Wagen dar. Die zunehmenden Frequenzen machten schon im Jahre 1895 die Anschaffung von vier weiteren Waqen (Nr. 13 - 16) nötig.

Das Schicksal der ESZ-Wagen

Die 16 ESZ-Wagen bildeten den Grundstock der neu gegründeten Städtischen Strassenbahn Zürich. Mit den geänderten Wagennummern 41 - 56 versehen leisteten sie ihre Dienste unter der neuen Herrschaft. Die erste Zeit liefen sie mit dem bisherigen Farbanstrich. Einzig die Aufschrift "Städtische Strassenbahn" liess die andere Zugehörigkeit erkennen. Nach und nach bekamen sie dann das blauweisse Kleid. Bald wurde die Leistung dieser Wagen durch Einbau eines zweiten Motors erhöht. In den späteren Jahren konnte die Leistung nochmals durch den Einbau von 2 x 22 PS-Motoren gesteigert werden. Für einen Anhängerbetrieb allerdings blieben diese Fahrzeuge zeitlebens immer zu schwach. Die Verglasung der ursprünglich offenen Plattformen schützte den Wagenführer und das Publikum vor den schlimmsten Unbilden des Wetters. Mit dem Einbau von Schiebetüren schliesslich konnten die Plattformen vollständig geschlossen werden. In den Jahren 1925 - 1927 entstanden aus diesen Motorwagen durch Umbau die Anhänger Nr. 458 - 472, die berühmten "Glaskistchen". Mitten in der Kriegszeit, 1942, nach 48 Dienstjahren besiegelte der Abbruch das Schicksal dieser liebenswürdigen Fahrzeuge. Die Wagen 469 und 470 wanderten nach Polen aus, wo sie noch viele Jahre durch die Strassen der Stadt Lodz rollten.

Es darf nicht unerwähnt sein, dass der Abbruch dieser Wagen nicht in ihrer Baufälligkeit zu suchen ist - sie hätten noch viele Jahre verkehren können - sondern ihr geringes Fassungsvermögen liess einen wirtschaftlichen Einsatz nicht mehr zu.

Der Ce 1/2 Nr. 8, aus der Serie von 1 - 16
Aufgenommen 1894 vor dem Depot Burgwies.

Foto: VBZ

Der Wagen vor dem Depot Burgwies.
Im Areal der SIG Neuhausen, vor der Ablieferung 1894.
Rechts auf dem Dach das Kamin zur Ablüftung der Beleuchtungskerze im Wagen.

Foto: SIG

Mit dem Kauf der ESZ durch die StStZ wurde aus den Wagen 1 - 16 die Ce 2/2 41 - 56, die Nummern 1 - 40 waren grösstenteils durch die Wagen der Pferdebahn besetzt.

Ausser einem Neuanstrich veränderte sich wenig. Neu waren die seitlichen Routentafeln und auf den Plattformdächern die Endzielanzeigen.

An den Plattformdächern sind die Ränder mit einem Blech versehen. Wohl zur Verstärkung und zum Schutz vor herunter fliessendem Wasser.

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Letzte Änderungen: 12.10.03


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