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Feld-, Werk- und Industriebahnen in Zürich


Werkbahnen in der Stadt Zürich

Eine Aufzählung aller jemals durch ein Verbindungsgleis mit dem normalspurigen Eisenbahnnetz verbundenen «gewerblichen Anstalten» würde zu einer seitenfüllenden Angelegenheit. So müssen wir uns an dieser Stelle auf eine summarische Erwähnung der grössten Anschlussgleisanlagen beschränken, von denen viele stark reduziert oder ganz eliminiert worden sind. Zahlreich sind Gleise, die durch Platzplätze belegt und deshalb kaum mehr benützbar sind. Der Rückzug der bahnverladenden Industrie aus der Stadt hat bereits um die letzte Jahrhundertwende eingesetzt. Selbst die eine im Eigentum der Stadt Zürich selbst stehende Anlage des Gaswerkes ist schon um die Jahrhundertwende nach Schlieren «ausgelagert» worden. Kaum mehr vorstellbar, aber auf Grund einzelner Strassennamen nachvollziehbar sind die einst direkt an den heutigen Personenbahnhof Zürich HB angeschlossenen Gleise zu Werkstätten, Molkereien, Weinhandlungen usw. Diese wurden über Schiebebühnen und Drehscheiben erreicht. Mit der Verlegung des Güterbahnhofes an seinen heutigen Standort um 1897 verlief mit etwas Verzögerung auch der Umzug dieser Betriebe an den damaligen Stadtrand in neu erschlossene Industriegebiete. Als letzte direkt am Hauptbahnhof angeschlossene «Werkbahn» sind auch die Lokomotiven der Post ausgezogen; sie sind nun im neuen Postbahnhof Mülligen tätig.

Eine weitläufige, aber gleichfalls schon arg dezimierte Anlage ist jene im Industriegebiet, die über den Escher-Wyss-Platz nach dem Sihlquai führte. Diese Anlage entstand schon 1882 im Vorfeld der Landesausstellung 1883. Noch um 1960 endete das Gleis gleich neben der Tramhaltestelle Sihlquai neben der Bahnhofhalle. Damals wurden pro Tag gegen 100 Wagen zugestellt oder abgeführt. Meist mehrmals am Tag überquerte der Dampfzug die Tramgleise am Escher-Wyss-Platz, um die Coop-Mühle und die Brauerei Löwenbräu zu bedienen. Erstere besass die erste elektrische Lokomotive auf Stadtgebiet, ein Gleichstrom-Traktor. Zahlreiche Industriefirmen (genannt seien nur die einstigen guten Bahnkunden Maag-Zahnräder und Seifenfabrik Steinfels) haben den Fabrikationsbetrieb aufgegeben.

Noch heute in Betrieb steht die Anlage in Richtung Hardturm, wobei allerdings die Verästelungen über Drehscheiben und mit Querungen der Tramgleise an der gleichnamigen Strasse weitgehend verschwunden sind. Beim Hardturm wurden zeitweise die auf Rollschemeln eintreffenden Fahrzeuge für die VBZ abgeladen oder auch etwa versandt. Heute erfolgt dies auf dem Areal der Zentralwerkstätte, die am «Freilagergleis» angeschlossen ist.

Am eigentlichen Güterbahnhof angeschlossen sind heute praktisch keine Firmen mehr. Die einst bedeutende Schlachthaus-Gleisanlage mit 1,3 km Gleis und eigener Akkumulatorenlokomotive ist vor einigen Jahren abgebaut worden. Bis in die Jahre um 1960 wurden ganze Güterzüge mit Schlachtvieh quer über die Hohlstrasse rangiert.

Die umfangreichsten Gleisanlagen sind heute an den Bahnhof Zürich Altsterten angeschlossen, wobei auch hier «dürre Äste» verschwunden oder ausser Betrieb sind. Gleich beim Bahnhof stand bis vor kurzer Zeit eine kurze Werkbahn einer Chemiefirma in Betrieb. Noch teilweise in Betrieb steht die umfangreiche Anlage in Richtung Albisrieden, die im Zollfreilager endigt. Das Stammgleis, mit dessen Bau 1881 begonnen worden war, steht im Eigentum der Stadt Zürich. Es überquert mehrere belebte Strassen und kreuzt die Tramlinie 2.

Von den rund 12 km Anschlussgleisen des Bahnhofes Zürich Giesshübel ist heute nur noch ein kleiner Teil in Betrieb. Einst gab es ein Gleis zu einer Ziegelei, das die Tramlinie nach dem Albisgütli kreuzte. Auch im Binzgebiet gab es Gleise, die schon vor Jahrzehnten wieder abgebaut wurden.

Einzelne Gleise sind noch vorhanden, jedoch die zugehörige Anschlussweiche ausgebaut, so die Anlage des Werkes Wiedikon der Zürcher Papierfabrik an der Sihl, die einst sogar als eigener Tarifpunkt in den Bahnhofsverzeichnissen figurierte und die einzige Drehscheibe der SiTB umfasste. Die um die letzte Jahrhundertwende zugezogene Industrie macht zunehmend Dienstleistungsbetrieben Platz, die nur noch Angestellten-Parkplätze, aber keine Schwertransporte mehr benötigen. Nur gerade die 1985 neu entstandene Druckerei Bubenberg des «Tages-Anzeiger» weist noch ein bedeutendes Verkehrsaufkommen auf. Völlig verschwunden ist die interessante Gleisanlage der Ziegelei Tiergarten im Gebiet der heutigen Doppelspur Binz - Friesenberg. Für den Lehmtransport war eine ausgedehnte Rollbahnanlage vorhanden, die mit einer Klappbrücke das Normalspurgleis querte. Unweit davon, im Gebiet der Laubegg, bestand während einiger Zeit eine Rollbahn für Lehmtransporte, die eine Zahnstangenstrecke System Marsh aufwies.

Bis vor kurzem wurde die Anschlussgleisanlage der Brauerei Hürlimann intensiv genutzt, derweil die daran anschliessende Weinhandlung nunmehr selten Wagen erhalten hat. Sozusagen zu einer Werkbahn mit eigenem Traktionsmittel hat sich dagegen das kurze Gleis mit der Malzentladeanlage unmittelbar neben der Sihlbrücke entwickelt, das an die Zürcher Museumsbahn vermietet ist. Sie benutzt für Fahrzeugverschiebungen eigens einen aus einer westschweizerischen Militäranlage stammenden Rangiertraktor Fabrikat Kronenberg.

Nur wenige Jahre in Betrieb war das 1974 erstellte Ölumschlaggleis der Familienheim - Genossenschaft zwischen Schweighof und Triemli.

Das mit einer interessanten Kletterweiche angeschlossene, jedoch vor vielen Jahren aufgehobene Gleis der Firma Scherrer in Zürich Brunau lässt sich nur noch knapp erahnen. Eine wenn auch nur vorübergehende Ausdehnung haben die Gleisanlagen in der Gegend von Zürich Manegg erfahren. Zwar weist die mit einem Rangiertraktor und einem ebenso archaischen Kranwagen arbeitende Baufirma Locher nur noch wenig Bahnverkehr auf, dagegen haben sich neuerdings eine Getränkefirma niedergelassen, die mit den üblichen Brauerei-Werbeaufschriften versehene Wagen erhält.

Auch die gegenüberliegende Papierfabrik hat regelmässigen Wagenladungsverkehr, der nach einem kurzen Gastspiel eines aus Österreich stammenden Jenbacher-Rangiertraktors mit einem Zweiwegefahrzeug abgewickelt wird. Einen sehr intensiven Verkehr mit bis über 30 Zügen pro Tag besteht seit Anfang 1999 auf der Gleisgruppe «Höcklerbrücke» für Baumaterial und Aushubmaterial der Bahn 2000 und später des Üetlibergstrassentunnels. In Zürich Leimbach ist die einst ausgedehnte Gleisanlage der dortigen Weinhandlung reduziert und weist nur noch geringen Verkehr auf. Dabei ist auch die symmetrische Dreiwegweiche System Vögele, von der es nur noch ganz wenige gibt, verschwunden.

In Zürich Wollishofen finden wir ein Anschlussgleis der Schiffswerft. Auf der anderen Seeseite in Zürich Tiefenbrunnen wird das Anschlussgleis der einstigen Brauerei Tiefenbrunnen noch durch eine Getränkefirma genutzt.

Ein Eldorado für entdeckungsfreudige Eisenbahnfreunde war bis vor wenigen Jahren Zürich Nord. Während die Maschinenfabrik Oerlikon, später BBC/ABB/Adtranz, ein Anschlussgleis an den Bahnhof Oerlikon aufwies, war deren Hauptanschluss an die unscheinbare Station Zürich Seebach angeschlossen, ebenso wie Oerlikon-Bührle und die Akkumulatorenfabrik Oerlikon, die wie die MFO eigene Rangiertriebfahrzeuge besassen. Die Gleise der MFO waren ursprünglich mit Fahrleitungen überspannt, zeitweise war auch ein Gyro-Traktor im Einsatz. Auch hier war das Stammgleis ursprünglich von der damaligen Gemeinde Oerlikon erstellt worden.

Auf zwei heute ausschliesslich dem S-Bahn-Verkehr dienenden Stadtzürcher Stationen bestanden früher ebenfalls Anschlussgleise. In Zürich Stadelhofen war der 1875 angefangene Tunnelstumpf neben dem späteren Lettentunnel an eine Weinhandlung vermietet. In Zürich Affoltern besassen die CC-Graphitwerke eine kleine Werkbahn mit einem winzigen Traktor. An die nicht mehr bestehende Station Zürich Letten war ein Gleis des städtischen Elektrizitätswerkes angeschlossen.

H. Waldburger


Lehmgrubenbahn GiesshübelEntschwundene Romantik

Aus der VBZ-Personalzeitschrift Kontakt 2/76

Seit dem vorigen Sommer ist Zürich um eine romantische Attraktion ärmer. Damals wurde der Betrieb der Lehmgrube Giesshübel der Zürcher Ziegeleien eingestellt, da jenes Gelände überbaut werden soll. Wäre am Horizont auf zweien unserer Bilder nicht die vertraute Silhouette des Uetliberges erkennbar, dann könnte man die kleine Bahn irgendwo im Wilden Westen oder in Afrika vermuten: braune, lehmige Erde und dichte Schilfbestände, die mit unserer Stadt kaum etwas gemeinsam haben.

Zug in der Lehmgrube GiesshübelDrei Züge - einer davon als Reserve - haben auf diesem Gelände seit der Gründung der Zürcher Ziegeleien im Jahre 1912 mit je sechs Wagen, gemeinsam mit 12 Männern, ihre Arbeit verrichtet. Mehr Wagen durften den Diesellokomotiven nicht angehängt werden, da sie sonst nicht mehr hätten gebremst werden können. Die Spurweite des «Lehmgrubenexpress» beträgt 60 cm. Der Maschinenpark umfasst drei Diesellokomotiven verschiedener Herkunft mit je 28 PS Leistung, und an Wagenmaterial stehen insgesamt 20 Kipploren zur Verfügung. Bis zur Betriebseinstellung luden zwei bewegliche, gelbe «Schleppkübelbagger» die zähe Lehmmasse auf die Wagen, das Bähnlein kurvte den Hang hinunter auf eine Rampe, wo der Lehm in Lastwagen gekippt und zur Fabrik weitertransportiert wurde.

Zwei Züge mit BaggerSchon vor Jahren wollte man den kleinen Zügen den Garaus machen. Moderne, riesige Erdbewegungsmaschinen, so genannte «Schürfkübelraupen», wurden eingesetzt, um der Ziegelei das Rohmaterial anzuliefern. Aber der Nordhang des Uetlibergs eignete sich für dieses Verfahren nicht; da er ziemlich wasserführend ist, wurde die Stabilität des Hanges durch diese massive Abbauweise gefährdet. Deshalb kehrte man wieder zur bewährten Methode des Gleisbetriebes zurück.

Lehmgrube GiesshübelBei der Betrachtung der Fotos befällt einem Wehmut. Erinnerungen an die Jugendzeit steigen auf, war doch das Spiel mit «Rollwagen» seiner Gefährlichkeit wegen besonders abenteuerlich und aufregend. Wieder ist ein Kapitel zürcherischer Romantik abgeschlossen worden, wieder einmal wird dem «Moloch Beton» die Reverenz erwiesen. Doch eine kleine Hoffnung besteht: Es sind konkrete Pläne vorhanden, die Lehmgrubenbahn auf dem noch bestehenden Trasse der ehemaligen Holztransportbahn auf städtischem Gebiet im Sihlwald neu zu errichten. Die Stadt Zürich wird sich der hohen Kosten wegen an diesem Projekt kaum beteiligen können und muss die Initiative privaten Kreisen überlassen. Bereits haben sich denn auch einige rührige Eisenbahnamateure zusammengetan, um die nicht mehr benötigten Gleisanlagen der Zürcher Ziegeleien anderweitig zu nutzen. Sie haben Gleise und Rollmaterial gekauft und vorderhand im Sihlwald deponiert. Später sollen die Bahnanlagen nach Plänen gebaut werden, die als Semesterarbeit einer Klasse des Technikums Winterthur entstanden sind. Zu welchem Zeitpunkt die «neue Grubenbahn» gebaut werden soll, ist heute nicht bekannt. Es ist jedoch sehr zu hoffen, dass diese Idee verwirklicht wird, zur Freude der Kinder und ihrer jung gebliebenen Väter...

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Es sei angemerkt, die Idee der Bahn im Sihlwald ist immer noch pendent!

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Letzte Änderungen: 10.10.03


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