Stadtkultur er - f a h r e n . . . |
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Einiges
ist an dem Plänchen von 1907 bemerkenswert:
Zuerst die darauf stehende:
Linieneinteilung.
Linie 1. - (Weisse Tafeln).
Tiefenbrunnen - Hauptbahnhof - Wollishofen und Utobrücke:
Diese Linie geht vom Bahnhof Tiefenbrunnen durch das Seefeld am Theater und
Bellevue vorbei via Limmatquai zum Hauptbahnhof, von da durch die
Bahnhofstrasse über den Paradeplatz durch den Bleicherweg zum Bahnübergang
Enge. Jenseits der Bahn setzt sie sich am Belvoirpark vorbei nach Wollishofen
fort, eine Abzweigung geht über die Utobrücke bis zur Allmend, wo die
Albisgütlibahn anschliesst.
Linie 2. - (Rote Tafeln).
Burgwles-Paradeplatz-Hardau:
Diese Linie gebt von der Burgwies durch die Forchstrasse über den Kreuzplatz am
Stadelhofer Bahnhof und Stadt- und Corso- Theater vorbei zum Bellevue, über die
Quaibrücke durch die obere Bahnhofstr. zum Paradeplatz, von da zur Sihlbrücke
(Sihltal- und Uetlibergbahnhof) und durch die Badenerstrasse gegen die
Stadtgrenze mit Anschluss an die Limmattalstrassenbahn.
Linie 3. - (Grüne Tafeln).
Bahnhof Enge - Römerhof - Hauptbahnhof - Heuried:
Diese Linie führt vom Bahnhof Enge über den Bellevueplatz zum Pfauen- und
Römerhof (Dolderbahn), und kehrt von da über den Kreuzplatz zum Pfauen
zurück, von wo sie durch den Seilergraben zum Hauptbahnhof geht und von da
weiter zur Sihlbrücke zum Sihltal - Uetlibergbahnhof bis zum Bahnübergang in
Wiedikon. Jenseits setzt sie sich bis zum Heuried fort.
Linie 4. - (Violette Tafeln).
Hauptbahnhof - Hardstrasse:
Diese Linie beginnt beim Hauptbahnhof und fahrt durch das Industriequartier bis
zur Wipkinger Brücke, wo sie an die elektr. Strassenbahn nach Höngg
anschliesst.
Linie 5. - (Gelbe Tafeln).
Heuried - Bellevue - Kirche Fluntern und Tannenstrasse:
Diese Linie geht vom Bahnübergang Wiedikon über die Sihlbrücke, den Parade-
und Bellevueplatz zum Pfauen und von da über die Platte nach der Kirche
Fluntern (Zürichberg). Eine Abzweigung führt von der Platte zur Tannenstrasse
(Polytechnikum) zur Verbindung mit der Linie 6. Die Linie bietet im obern Teil
einen schönen Ausblick auf die Stadt und den See.
Linie 6. - (Gelbe Tafeln).
Marienstr. - Hauptbahnhof - Polytechnikum - Seilbahn R. V.:
Diese Linie fährt vom Bahnübergang Aussersihl bei der Sihlbrücke vorbei zum
Hauptbahnhof, von da durch die Weinbergstr. zum Polytechnikum und weiter durch
die Universitätsstr. zur Seilbahn Rigiviertel.
Um 1907 waren alle Wagen noch mit
Trolleystromabnehner ausgerüstet (bis 1916) und noch ohne +GF+ - Kupplung (ab
1918). Anhängerbetrieb gab es nur vereinzelt mit umgebauten Pferdebahnwagen.
Die Liniennummern wurde 1905 eingeführt, davor gab es für die einzelnen
Linien nur farbige Tafeln. Bemerkenswert, dass sich die selben Farben der Linien
bis heute halten konnten, auch wenn sich die Streckenführungen, vor allem bedingt
durch die späteren Übernahme der privaten Gesellschaften, mehrmals stark
verändert haben. Noch heute sind die Linienfarben ein wichtiges Hilfsmittel zur
Orientierung. Einer der grossen Pluspunkte des Tram 2000 sind die gut
erkennbaren Liniennummern, auch aus weiter Entfernung.
Im Jahr 1907 fand auch das Eidg. Schützenfest, verbunden mit der Inbetriebnahme
der Albisgütlibahn und des neuen Schiessplatzes, statt.
Der Fahrplan war am Tage, für heutige Verhältnisse, hervorragend.
Die Wagen aller Linien verkehrten von morgens ca. 0630 bis abends 2100,
zum Teil bis 2200 alle 5 Minuten, in der übrigen Zeit alle 10
Minuten mit Beginn ca. 0545 und Schluss abends gegen 2300.
Beginnen wir unsere Reise am Zürichsee und gehen im Uhrzeigersinn um das Zentrum:
-
Morgental:
Das Ende der Strecke war nicht beim Morgental, sondern diese führte ca. 150
Meter in der Mutschellenstrasse Richtung Stadt, bis zur Möslistrasse.
Dort, in der Möslistrasse, stand als Depot ein Backsteinbau mit viel
Geleisen, errichtet 1901 und im Betrieb bis ca. 1930. 1974 erfolgte der
Abbruch, heute stehen an seinem Ort Wohnhäuser.
Das Depot wurde auch für die Wagen der Albisgütlibahn (AGB)
benutzt.
Die Foto erstellte die MFO kurz nach
der Eröffnung der Strecke. Übrigens, gaben sich früher alle Hersteller sehr
viel Mühe, ihre Leistungen zu dokumentieren.
-
Brunaustrasse:
Etwa hier befand sich die Endstelle der 1882 errichteten Pferdebahn, die
Verlängerung ins Morgental erfolgte 1900 mit der Umstellung zum
elektrischen Betrieb.
-
Bahnübergang Enge:
Seit 1875 fährt die linksuferige Zürichseebahn. Das Rösslitram und danach
das elektrisch Tram führten die Geleise niveaugleich über die Bahngeleise.
Den Tramgesellschaften war es nur erlaubt als Dienstfahrt die Kreuzung zu
befahren, so mussten alle Leute vor dem Übergang aussteigen und nach dem
Übergang in einen anderen Wagen einsteigen. In späteren Jahren erstellte
man eine Passarelle über die Bahngeleise, weil die Schranke meist
geschlossen war, und auf der Stadtseite wurde um einen Häuserblock eine
Wendeschleife erstellt. Ein betriebliches Hindernis ersten Ranges. Die
Bahngeleise führten durch die heutige Alfred Escher Strasse, der Bahnhof
stand etwa da wo sich heute die Rentenanstalt befindet. Der Strassentunnel
an der Tunnelstrasse war ursprünglich der Bahntunnel. 1927 wurde die ganze
Seebahn um- und tiefergelegt.
-
Bahnübergang Giesshübel:
Dieser befand sich in der Bubenbergstrasse. Er war der einzige Bahnübergang
in Zürich der mit besetzten Wagen befahren werden durfte. Gleichzeitig
bildete dieser Punkt bis 1925 die Grenze zur soeben eröffneten AGB.
Diese führte bis zum "Strassenverkehrsamt".
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Bahnhof Selnau:
Seit 1875 fährt von da die Ütlibergbahn und seit 1892 die Sihltalbahn ab.
Der Bahnhof stand im Abseits.
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Bahnübergang Freyastrasse:
Hier stellte sich dieselbe Problematik wie beim Übergang Enge. Die Strecke
führte nicht wie heute über den Stauffacher hierhin, sondern durch die
Werdstrasse.
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Sihlbrücke:
1903 entstand an der Sihlbrücke eine grosszügige Gleisanlage. Die
Strecke Richtung Heuried führte noch bis 1914 durch die Werdstrasse. Die
Verbindungskurve zwischen Sihlbrücke und Kaserne wurde nur für
Dienstfahrten gebraucht. War man sich des Vorteils von Gleisverbindungen bei
Störungsfällen bewusst?
Foto: VBZ
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Heuried:
Die Linie zum Heuried war die Erste 1898 durch die StStZ gebaute Strecke.
Anfänglich bestand keine Geleiseverbindung mit den Linien der ESZ,
ZZB und
die ebenfalls durch die StStZ gebauten Strecken über die Quaibrücke zum
Bahnhof Enge und Paradeplatz. So musste im Heuried eine provisorische,
hölzerne Einstellhalle errichtet werden.
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Bahnübergang
Marienstrasse:
Nochmals dieselben Probleme wie an den beiden anderen Bahnübergängen. Vor
dem Übergang befand sich das 1900 erstellte Depot Kalkbreite, davon ist heute nur
noch die Abstellanlage und das Dienstgebäude vorhanden. Die Wagen der Limmattal Strassenbahn
(LSB)
führen bis vor den Übergang, obwohl die LSB erst am Letzigraben begann.
Der Bahnübergang am Farbhof wurde bereits 1903 durch eine Unterführung
ersetzt.
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Letzigraben:
Hier an der Stadtgrenze begann die LSB und führte über Schlieren nach
Dietikon sowie von Schlieren nach Weiningen.
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Escher Wyss Platz:
Hier befand sich das Depot Hard, das 1898 durch die
Industriequartierstrassenbahn (IStB) eröffnet wurde. 1902 erfolgter der
Ankauf der IStB durch die Stadt.
Jedoch bildete der Platz noch einige Monate die Eigentumsgrenze zur
Strassenbahn Zürich - Höngg (Z-H). Denn die Stadt war bereits am Bau der
Strecke vom Escher - Wyss -Platz über die Brücke durch die
Röschibachstrasse zur Nordbrücke. Das kurze Teilstück bis Wipkingen
übernahm die Stadt.
-
Stampfenbachstrasse:
Die Zürich - Oerlikon - Seebach Strassenbahn (ZOS) fuhr seit 1897 ab dem Leonhardplatz
(heute Central) durch die Stampfenbachstrasse nach Oerlikon und weiter
nach Seebach. Die Strecke von Oerlikon nach Schwamendingen ging am
31.05.1906 in Betrieb, die Verbindung nach Glattbrugg war noch nicht im
Betrieb, sie folgte erst am 29.08.1908.
Am Central bestand keine Geleiseverbindung mit der StStZ! Was auf die "Zusammenarbeit" schliessen lässt.
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Haldenegg:
Hier befand sich eine Spitzkehre. Die Strecke Leonhardsplatz -
Tannenstrasse wurde am 09.10.1906 durch die StStZ eröffnet. Es musste
zweimal über den Bau dieser Linie abgestimmt werden, bis sie endlich
realisiert wurde.
Die Fortsetzung der Linie bis zum Schaffhauserplatz erfolgte erst 1909, es
war eine eigentliche Konkurrenzlinie zur ZOS und sollte ihr buchstäblich
das Wasser abgraben.
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Zürichbergbahn:
Diese 176 m lange Seilbahn ging am 08.01.1889 als erste von drei geplante
Sektionen zur Erschliessung des Zürichberges in Betrieb. Die beiden
weiteren Sektionen wurden nie gebaut.
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Universitätsstrasse:
Die Linie ging am 01.11.1896 durch die Zentrale Zürichbergbahn (ZZB)
in Betrieb. Die Seilbahn Rigiviertel eröffnete 1901.
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Platte:
Die umständliche Linienführung durch die Zürichbergstrasse wurde noch
bis 1938 beibehalten. Jedoch die Führung der Strecke durch die
Moussonstrasse wurde 1919 durch die Gloriastrasse verlegt und dadurch die
Spitzkehre beseitigt.
Bei der Kirche Fluntern war das Tramdepot der ehemaligen ZZB noch in
betrieb.
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Römerhof:
Die Dolderbahn fährt seit 1895, bemerkenswert, dass das seit 1899 fahrende
Doldertram auf dem Plänchen nicht eingezeichnet ist.
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Burgwies:
Bis 1912, mit der Eröffnung der Forchbahn, bleibt die Burgwies Endstation.
Das Tramdepot dort stammt von der ESZ.
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Bahnhof Tiefenbrunnen:
Seit der Eröffnung der rechtufrigen Zürichseebahn 1894 ist der Bahnhof
auch Endstelle der Strassenbahn. Hier wird 1909 die erste Endstelle mit
Wendeschlaufe entstehen.
An der Hornbachstrasse befand sich das grösste Tramdepot verbunden mit der
Werkstätte.
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Stadttheater:
Deutlich erkennbar, das bei der Umstellung der Pferdebahn errichtete
Abstellgeleise, wie auch bei der Tonhalle. Es diente zur
Aufstellung der Theaterwagen, die nach der Vorstellung in alle
Hauptrichtungen abfuhren.
1908 wurde ein zusätzliches Abstellgleis für das Corso - Theater gegen den
Bahnhof Stadelhofen hin erstellt. Das besondere war, die beiden Gleise waren
mittels einer Dreiwegweiche ans Streckengeleise angeschlossen. E ist keine
weitere Dreiwegweiche in Zürich bekannt.
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Münsterbrücke:
Deutlich zu sehen die Strecke über die Münsterbrücke, obwohl seit
1902 von keiner Tramlinie befahren. Die 1899 eröffnete Quaibrücke machte
den Betrieb überflüssig. Erst ab 1910 wurde die Strecke wieder kursmässig
befahren.
J. Lüthard
Letzte Änderungen:
12.10.03
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