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Die Limmattal Strassenbahn, Beschreibung von 1905

Der folgende Text stammt aus einem 1905 erschienenen Fachbuch. Die erwähnten Angaben sind jedoch sehr genau und dürften so auch auf einige andere Strassenbahnen zugetroffen haben.

Es sind zwei Linien vorhanden; die eine derselben führt von Zürich über Alttetten, Schlieren nach Dietikon, woselbst sie Anschluss an die nach Bremgarten führende Nebenbahn hat, die andere Linie zweigt in Schlieren ab und führt über Unterengstringen nach Weingen.

Die von Zürich nach Dietikon führende Linie, welche an der Stadtgrenze von Zürich beginnt, ist in ihrer ganzen Länge auf der Staatsstrasse (Badnerstrasse) verlegt. Ihre Baulänge beträgt 8,846 km, einschliesslich der Ausweichgeleise 9,145 km. Die Linie Schlieren - Weiningen hat eine Baulänge von 3,162 km, einschließlich der Ausweichgeleise von 3,205 km und benutzt auf ihrer ganzen Länge ebenfalls die Staatsstrasse mit Ausnahme der Überführung über die Limmat, welche auf einer eigenen eisernen Brücke erfolgt. Auf eigenem Bahnkörper ist nur die zum Depot in Schlieren führende Zufahrtslinie, welche eine Länge von 0,18 km hat, verlegt. Die Totalbaulänge ohne Ausweichgeleise beträgt 12,008 km, mit Ausweichgeleise 12,53 km. Die Länge der Nebengeleise beträgt 1,29 km, die totale Geleiselänge 12,82 km.

75% der Bahnlinie liegen in Geraden, 25% in günstigen Kurven, da der Minimalhalbmesser von 25 m nur einmal, in Schlieren bei der Abzweigung nach Weiningen, vorkommt. Sonst kamen Kurvenhalbmesser von 30 und 35 m in Anwendung.

Die Maximalsteigung auf der Linie Zürich - Dietikon (bei der Reppischbrücke in Dietikon) beträgt 35 ‰ auf 20 m Länge, auf der Linie Schlieren - Weiningen 52 ‰ auf 167 m. Die mittlere Neigung der ersteren Linie ist 6,3 ‰ der letzteren 11,2 ‰ und der ganzen Bahn 7,65 ‰.

Der Unterbau auf der Strasse besteht bei 2 m Breite aus einem 16 - 18 cm hohem Steinbette mit darüberliegendem Schotterbette und Bekiesung von 20 cm Höhe. Der Abstand der Geleisemitte vom Strassensaum misst 1,7 m, von Mauern, Zäunen usw. 2 m, und derjenige zwischen den Achsen der Ausweichgeleise 2,5 m.

Auf eigenem Bahnkörper ist die Planumbreite 3,5 m mit 1¼ Böschung; das 30 cm hohe Steinbett hat eine mittlere Breite von 2,5 m.

Die zur Überführung der Limmat dienende eiserne Bahnbrücke bei Unterengstringen besitzt drei Öffnungen und hat eine Länge von 64 m. Die beiden Zufahrtsrampen sind zusammen 100 m lang. .Die Brücke hat eine Plattformbreite von 3 m, eine Trägerhöhe von 2 m, und ist als kontinuierlicher Träger für eine mobile konzentrische Belastung von 24 t gebaut. Die Trägerunterkante liegt 3,2 m, die Schienenunterkante 5,8 m über dem normalen Wasserspiegel und 1 m bzw. 3,6 m über dem Hochwasserspiegel der Lirnmat.

Die Bahn ist mit Meterspur eingeleisig angelegt und mit sieben Ausweichstellen von je 50 m Länge versehen. Das durchgehende Geleise besteht aus Vignoleschienen von 12 m Baulänge und 20 kg pro Laufmeter, welche auf je 14 eisernen Schwellen verlegt sind. Die Schwellen haben eine Länge von 1,6 m und ein Gewicht von 20 kg. Das Gewicht pro Laufmeter komplettes Geleise beträgt 69,10 kg. Die Schienen ergeben bei dem mittleren Abstande von 0,85 m der Schwellenmitten eine Tragfähigkeit von 8 t, welche bei dem vorkommenden Maximalraddruck von 2,75 t nur auf ein Drittel beansprucht wird.

Die Spurerweiterung in den Kurven beträgt 5 - 10 mm. Für die Ausweichgeleise und Weichen wurde das Rillenschienenprofil Phönix 14 b von 93 kg pro Laufmeter und 150 mm Höhe verwendet. Die Weichen sind sämtlich Phönix-Doppelzungenweichen mit selbsttätiger Federung. Alle AusweichgeIeise sind auf die ganze Länge von Zungenspitze bis Zungenspitze mit Bruchsteinen von 16 - 18 cm Höhe auf 2 m Breite gepflastert und mit Spurstangen verlegt.

Bei Strassenkreuzungen, Übergängen, in scharfen Kurven und auf der Limmatbrücke sind Doppel- (SCHUTZ)-Schienen verlegt.

Die Linie Zürich - Dietikon kreuzt die Linie der schweizerischen Bundesbahnen zwischen Altstetten und Schlieren unter einem Winkel von 37°, die Linie Schlieren - Weiningen ebenfalls die Linie der schweizerischen Bundesbahnen, sowie das Geleise der in Schlieren befindlichen Gasanstalt der Stadt Zürich, zusammen drei Geleise im Gebiete des Bahnhofes Schlieren. Da die Bundesbehörden die Befahrung der Kreuzungen - dieselben sind in gleicher Weise wie die Ausweichgeleise gepflastert - nicht gestatten, das Umsteigen sich aber als ein schwerer Nachteil im Betriebe erwies, wird die Kreuzung in Altstetten durch Verlegung und Unterführung nunmehr beseitigt.

An der Stadtgrenze und beim Niveauübergang in Altstetten wurden elektrisch beleuchtete Wartehallen erstellt.

Die Fahrdrahtleitung besteht aus hartgezogenem 5 mm-Kupferdraht, welcher. an Auslegermasten mittels elastischer Aufhängung oder an Spanndrähten in einer Höhe von 6 - 6,5 m über Schienenoberkante befestigt ist. Der Abstand der mit eisernen Auslegern ausgerüsteten hölzernen Masten beträgt in der Geraden im Mittel 30 m; in Kurven ist dieser Abstand, je nach dem Kurvenhalbmesser, geringer. Der Abstand der Mastenachsen von der Geleiseachse beträgt im Mittel 2,4 m, was eine Länge der Ausleger von 3,3 m und dementsprechend eine kräftige Konstruktion derselben und starke Masten erforderte. Letztere haben einen mittleren Durchmesser von 260 mm, sind 9 m lang und 1,5 m in den Boden einbetoniert.

Die Speiseleitung Zürich - Dietikon ist auf dem Fahrdrahtgestänge montiert und besteht ebenfalls aus einem 8 mm-Kupferdraht.

Die Bahn ist durch Streckenisolatoren in fünf für sich ausschaltbare Abschnitte eingeteilt. Die Fahrdrahtleitung ist ferner zu beiden Seiten der Kreuzungen mit den Bundesbahnen durch besondere Streckenisolatoren ein- und ausschaltbar gemacht.

Auf dem Fahrdrahtgestänge ist eine doppelte Diensttelephonleitung verlegt, welche bei den Haupthaltestellen an Telephonapparate zur Verbindung mit dem Betriebsbureau Schlieren angeschlossen ist.

Die Stromrückleitung erfolgt durch die beiderseitig mit "Chicago-Rail-Bonds« von 9 mm-Kupferdraht ausgerüsteten Schienen und durch einen verzinnten 8 mm-Kupferdraht, welcher in Abständen von 50 m mit den elektrischen Schienenstossverbindungen verbunden ist.

Der zum Betriebe der Umformerstation erforderliche Hochspannungsstrom - Drehstrom von 2000 Volt Spannung - wird ersterer von der städtischen Kraftzentrale "Letten" in Zürich zugeführt. Die Hochspannungsleitung wird durch drei 6 mm-Drähte gebildet, welche in den städtischen Strassen auf eine Länge von 1,5 km als Kabel unterirdisch und hierauf auf eine Länge von 5 km bis zur Umformerstation in Schlieren geführt ist.

Das Depot in Schlieren umfasst eine Remise von 50 m Länge und 10 m Breite mit drei Geleisen und durchgehender Putzgrube, eine Reparaturwerkstätte, den Maschinensaal von 15 m Länge und 8 m Breite, sowie Diensträumlichkeiten und eine Dienstwohnung. Die Geleiseanlage im Depot, einschliesslich des Rangiergeleises hat eine Länge von 290 m.

Die Maschinenhalle, deren elektrische Ausrüstung ebenso wie jene der Bahnanlage von der A.-G. BOWN, BOVERI & Cie. geliefert wurde und welche für die Aufnahme von drei Umformergruppen bemessen ist, enthält vorderhand zwei Motorgeneratorgruppen. Jede derselben besteht aus einem zwölfpoligen Hochspannungs-Drehstrommotor, Maschinentyp BROWN-BOVERI Nr. 15, welcher bei einer Spannung von 2000 Volt, 50 sekundlichen Perioden und 500 Umdrehungen in der Minute 120 bis 160 PS. leistet und mit einer Gleichstromdynamo, Maschinentyp BROWN-BOVERI Nr. 11, so gekuppelt ist, dass beide Maschinen auf einem gemeinsamen Maschinengestell montiert sind und zusammen drei Lager haben. Die Dynamos leisten je 80 bis 105 K.W. und erzeugen Strom von 175 Amp. max. und 500 bis 600 Volt. Sie sind vierpolig, mit Serientrommelwickelung und Zackenarmatur versehen. Der Wirkungsgrad der Umformergruppen beträgt:

bei Vollbelastung 93,5 % bei Dreiviertelbelastung 92,5 %,
bei halber Belastung 91 % bei Viertelbelastung 87 %.

Die Personenmotorwagen und die Motorgüterwagen haben folgende Hauptabmessungen:

  Tara Ladung Totalgewicht L.ü.P. Radstand
Personenmotorwagen 8 t 3 t 11 t 8 m 1,66 m
Gütermotorwagen 6 t 3 t 9 t 5,7 m 1,66 m

Die Personenmotorwagen sind mit PECKHAM-Untergestell versehen und mit einer achtklötzigen Spindelbremse ausgerüstet. Ihre Beleuchtung erfolgt durch 13 Lampen a 16 NK., ihre Beheizung durch je vier Heizkörper mit 2 K.W. Stromverbrauch. Die Wagen sind mit geschlossenen Plattformen versehen und bieten einen Fassungsraum für 36 Personen. Die allgemeine Bauart und Ausrüstung der Wagen ist die gleiche wie bei den neueren Wagen der Züricher Strassenbahn.

Jeder Personenwagen besitzt zwei Motoren von je 19,8 PS. Leistung bei einem Strom von 37 Ampère und 500 Volt Klemmenspannung. Die Stärke der Motoren ist so bemessen, dass ein 14 t-Zug in der Ebene eine Geschwindigkeit von 30 km in der Stunde erreicht. Die weitere elektrische Ausrüstung ist im allgemeinen jene der neueren Züricher Strassenbahnwagen.

Die Gütermotorwagen besitzen eine ähnliche elektrische Ausrüstung wie die Personenmotorwagen, haben jedoch keine elektrische Heizung. Die Personenanhängewagen haben einen Radstand von 1,66 m und eine Länge über die Puffer gemessen von 7,84 m. Sie sind ebenso wie die Personenmotorwagen mit geschlossenen Plattformen versehen. Ausser diesen Wagen sind noch Güterwagen, ein Salzwagen, und ein Postanhängewagen vorhanden.

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Letzte Änderungen: 30.09.03


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