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Das Bild verdanken wir dem Werkfotografen der Maschinenfabrik Oerlikon.
Als Lieferantin der elektrischen Ausrüstung der Strassenbahn Zürich-Höngg erstellte sie
nach Abschluss der Arbeiten eine Serie von Fotografien, selbstverständlich
Glasplattennegative, um ihr Werk zu dokumentieren. Das Bild entstand bei der alten Kirche
Wipkingen, am heutigen Wipkingerplatz. Die Strassenbahn Zürich-Höngg berührte neben dem
Höngger Gemeindegebiet auch das Stadtgebiet, eben in Wipkingen, welches 1893 eigemeindet
worden war. Die links vom Tramwagen befindliche Umzäunung gehört zum Wipkinger Friedhof,
das Kirchlein befindet sich auf der Seite zur Limmat hin. Kurz nach der Jahrhundertwende
verschwanden Kirche und Friedhof. Das stattliche Gebäude rechts, mit den mit
"Laubsägeli-Ornamenten" verzierten Giebeln, war das Wipkinger Pfarrhaus. Die
Fahrleitung, damals Kontaktleitung genannt, musste wegen des Rollenstromabnehmerbetriebes
in den Kurven sehr sorgfältig, das heisst mit vielen Aufhängungspunkten, verlegt sein.
Um die teuren Eisenmasten zu sparen, wurden Aufhängungen an Gebäuden bevorzugt. So
konnte auch am Giebel des Pfarrhauses eine gusseiserne Rosette montiert werden. Alsbald
gab es aber von Pfarrer und Kirchenpflege Beschwerden wegen der Lärmentwicklung, denn die
Drähte leiteten den Körperschall gegen die Hauswand. Die fortwährenden Reklamationen
führten dazu, dass die Wandrosette später entfernt und durch einen Mast ersetzt wurde.
Im weiteren beanstandete die Kirchenpflege das Quietschen des Trams in der dortigen engen
Kurve, eine Angewohnheit, welche sich auch bald 100 Jahre später noch nicht
zufriedenstellend gelöst hat ........
Das Höngger Tram verwendete auf der ganzen Strecke die eleganten, aber teureren Eisenmasten. Diese sind mit gusseisernen Zierspitzen gekrönt und weisen seitlich vier Spitzen auf, ähnlich wie ein Morgenstern. Eine solche Zierspitze ist erhalten geblieben und im Tram-Museum ausgestellt. Die Masten fehlen in der Sammlung.
Doch zurück zu unserem Bild: Im Vordergrund überqueren Telefondrähte die Fahrleitungsanlage der Strassenbahn. Das macht gewisse Vorsichtsmassnahmen nötig! So ist oberhalb der Tramfahrleitung ein Schutznetz aus Drähten gespannt, welches bei Bruch der Telefondrähte das Herunterfallen auf die Fahrleitung verhindern soll. Da die Telefonleitungen aus dem ziemlich spröden Bronzedraht bestanden, war das keine unbegründete Massnahme; sie wurde auch beim Überspannen von anderen Freileitungen angewandt.
Neben dem Tram steht am Strassenrand ein Karren mit einem grossen Fass. Er hat nichts mit dem Weinbauerndorf Höngg zu tun. Die mit den damaligen Verhältnissen vertrauten Leser wissen es natürlich längst: Es ist ein Sprengwagen, welcher von einem Hydranten aufgefüllt wird, um wenig später das Wasser auf der Strasse zu verspritzen, damit die Staubplage der nur chaussierten, also mit Kiesbelag versehenen Strassen, erträglich wird.
Hinter dem Sprengwagen ist noch eine Strassenlaterne zu sehen, daneben die Warntafel "Achtung Tramway". Die Strassenbeleuchtung war bis weit ins 20. Jahrhundert eine Domäne der Gaslampen. Das Gaswerk befand sich zu dieser Zeit noch ganz in der Nähe unseres Fotopunktes, nämlich unterhalb des Limmatplatzes zwischen Sihlquai und Limmatstrasse. Die letzten Gebäude wurden erst Anfang der Achtziger Jahre abgetragen. Heute erinnert nur noch die Gasometerstrasse an das ehemalige Gaswerk im Kreis 5. Der Umzug nach Schlieren, vor die Tore der Stadt, erfolgte auch 1898, dem Eröffnungsjahr des Höngger Trams. Noch heute gibt es in Zürich einige wenige Gaslampen. Der Studentenweg vom Albisgüetli auf den Uetliberg wird noch heute mit Gaslampen beleuchtet.
Die Strassenbahn Zürich-Höngg und die Industriequartier-Strassenbahn haben eine interessante Entstehungsgeschichte. Hans Waldburger, der bekannte Eisenbahnhistoriker, hat recherchiert und in einem Buch die Anfangszeit der zwei privaten Tramgesellschaften unterhaltsam beschrieben.
Letzte Änderungen: 12.10.03
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