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Aus Eisenbahn Amateur 9/82
Bekanntlich musste im Hinblick auf die Einführung des Taktfahrplanes die Käferberglinie in Zürich auch in den Hauptbahnhof eingeführt werden, um dank dieser Kapazitätserweiterung die höhere Zugszahl bewältigen zu können. Mit der Käferberglinie schuf man also eine zweite Doppelspur zwischen Oerlikon und dem Hauptbahnhof. Am 23. Mai 1982 ist an dieser neuen Verbindung ebenfalls die Haltestelle «Hardbrücke» in Betrieb genommen worden, übrigens als erste Neubau-Station der SBB in Zürich seit 50 jahren.
Mit dem Ausbau der Käferberglinie ergab sich für die Stadt Zürich die Gelegenheit, gleichzeitig eine Haltestelle (heute "unbesetzte Station" genannt) «Hardbrücke» zu verwirklichen und damit für die Regionalzüge von und nach Bülach und Kloten eine ausgezeichnete Verbindung mitten ins Zürcher Industrie- Quartier zu schaffen. Letzteres war bisher im Bereich der Hardbrücke für SBB-Benützer nicht genügend erschlossen, konnten doch diese das Gebiet nur erreichen, wenn sie auf die städtischen Verkehrsbetriebe umstiegen oder zu Fuss in das Gebiet gelangten, z. B. von der Station Wipkingen her.
Untersuchungen der Stadt Zürich haben ergeben, dass in unmittelbarer Nähe der neuen Hallestelle mehr als 2000 Arbeitsplätze und in einem Umkreis von 600 Metern 5900 Einwohner vorhanden sind. Die Hltestelle erschliesst also eine mittlere Kleinstadt.
Der Escher-Wyss-Platz mit seiner Arbeitsplatzkonzentration ist ebenfalls nicht weit von der neuen Haltestelle entfernt. Auch der Neubau der Zürcher Kantonalbank in der "Hard" wird durch sie optimal erschlossen und bedient.
Die Haltestelle «Hardbrücke» hat im Konzept des öffentlichen Regionalverkehrs schon heute eine bedeutende Erschliessungsfunktion zu erfüllen. Diese Bedeutung wird mit der Einführung des S-Bahn- Systems - wie es die Stimmbürger des Kantons Zürich mit dem Kreditbeschluss für den Bau der Zürichberglinie beschlossen haben - noch zunehmen. Mit dem Bau des unterirdischen Bahnhofes Museumstrasse und der direkten, ebenfalls im Tunnel verlaufenden Verbindung zum Bahnhof Stadelhofen und nach Tiefenbrunnen bzw. nach Stettbach / Dübendorf und nach Dietlikon / Winterthur wird die Bildung von Durchmesserlinien möglich.
Im Gesamtkonzept des öffentlichen Verkehrs kommt der neuen Haltestelle auch die Bedeutung eines wichtigen Umsteigepunktes zwischen den SBB und den städtischen Verkehrsbetrieben (VBZ) zu, denn an diesem Ort (auf der Hardbrücke) haben die beiden VBZ-Buslinien 33 und 72 am 23. Mai ebenfalls eine neue Haltestelle erhalten. Damit können die wichtigen Querbeziehungen nach dem Hardplatz - Albisriederplatz hergestellt werden.
Die neue Haltestelle «Hardbrücke» wird tagsüber grundsätzlich im Halbstundentakt bedient, und zwar in beiden Richtungen. Dabei verkehren alle Regional- Züge (das heisst Züge mit Halt auf allen Stationen) von und nach Bülach sowie von und nach Opfikon / Kloten / Bassersdorf über die Käferberglinie.
In den Berufsspitzenzeiten (morgens und abends) werden noch zusätzliche Züge eingeschoben, so dass in diesen Zeiten der Fahrplan stark verdichtet ist.
Die Haltestelle verfügt über einen 6,5 Meter breiten und 320 Meter langen überdachten Mittelperron. Die auf die Hardbrücke führenden Treppenaufgänge sind ebenfalls überdacht, um die Passagiere vor der Unbill der Witterung zu schützen. Auf der Hardbrücke selbst (Strassenniveau) sind grössere Dächer vorhanden, die gleichzeitig als Buswartehallen dienen. Zusätzlich zum Aufgang auf die Hardbrücke verfügt die Haltestelle auch über eine Personenunterführung zur Hardstrasse (Niveau der übrigen Gleise). Damit kann eine optimale, fussgängerfreundliche Verbindung hergestellt werden. Die ganze Anlage ist behindertengerecht erstellt worden, indem auf die Hardbrücke und zur Unterführung Lifte vorhanden sind und von der Unterführung auf die Hardstrasse eine Rampe eingebaut ist.
Die Kosten der ganzen Haltestelle belaufen sich auf insgesamt 6,85 Millionen Franken. Die Stadt Zürich übernimmt davon zwei Drittel, das heisst 4,5 Millionen Franken, und der Kanton Zürich richtet einen Beitrag von 2,3 Millionen Franken aus dem Finanzausgleichs-Sonderfonds aus.
Die Haltestelle «Hardbrücke» liegt - wie erwähnt - an der Käferberglinie. Das bedeutet, dass nur die Züge von und nach Bülach sowie von und nach Kloten über diese Haltestelle verkehren können. Ein grosser Nachteil haftet ihr also noch an: Die Züge aus dem Limmattal können sie nicht bedienen. Das bestehende Streckengleis von Altstetten führt wohl dort vorbei, ohne jedoch eine Station aufzuweisen.
Es ist jedoch geplant, in naher Zukunft eine zweite Doppelspur von Altstetten bis in den Zürcher Hauptbahnhof zu führen, die den Regionalzügen vorbehalten sein wird. Im Zuge dieser neuen Doppelspur soll dann gleich neben der am 23. Mai eröffneten HaItestelle auch eine Haltemöglichkeit für die Züge aus dem Limmattal geschaffen werden.
Die volle Wirkung und Bedeutung der neuen Haltestelle wird also erst bei Inbetriebnahme der Haltestelle für die Limmattaler Züge zur Geltung kommen. Vielleicht ist dieses Bauwerk bis zur Inbetriebnahme der Zürcher S-Bahn ebenfalls erstellt.
Es ist zu hoffen, dass das Gemeinschaftswerk von SBB sowie Stadt und Kanton Zürich auf regen Zuspruch der Bahnbenützer stossen wird, und vor allem, dass viele neue Pendler auf die Bahn umsteigen werden. Die eigene Bahnhaltestelle direkt vor dem Fabriktor sollte dazu eigentlich geradezu animieren.
P. Stopper, Stadtplanungsamt Zürich

Die 1982 bestehenden und geplanten Eisenbahn-Linien.
Letzte Änderungen: 10.10.03
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