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Die Schaffhauser Strassenbahn, Beschreibung von 1905

Um es gleich vorne Weg zu nehmen, der folgende Text ist sehr technisch, er stammt aus einem 1905 erschienenen Fachbuch. Die erwähnten Angaben sind jedoch sehr genau und dürften so auch auf einige andere Strassenbahnen zugetroffen haben.

Der Betriebsstrom wird von den in der städtischen Kraftzentrale befindlichen Drehstrom-Gleichstrom-Umformergruppen geliefert, welche durch eine Pufferbatterie unterstützt werden.

Die zwölfpoligen Drehstrommotoren der Umformergruppen sind nach dem Maschinentyp Oerlikon 3067 für eine Leistung von 150 PS, bei 490 Umdrehungen in der Minute und für einen Betriebsstrom von 2000 Volt und 50 Perioden gebaut. Der Lauf hat eine Bohrung von 900 mm. Die Zahl seiner Nuten, deren jede zur Aufnahme von 8 Leitern dient, beträgt 144. Der zu letzteren verwendete Draht hat einen Durchmesser von 4,4/5 mm. Der Durchmesser des Läufers beträgt 898 mm; jede seiner 180 Nuten dient zur Aufnahme eines aus vier nackten 4 mm-Drähten bestehenden Leiters.

Mit diesen Motoren sind Gleichstromdynamos Maschinentyp OERLIKON NNXl a mittels isolierender und flexibler Kuppelung verbunden. Die Gleichstrommaschinen erzeugen Strom von 550 Volt und 182 Ampere. Die Armatur hat eine Eisenbreite von 330 mm, einen Eisendurchmesser von 745 mm und 200 Nuten von je 6 x 30 mm. Jede Nut dient zur Aufnahme von zwei Spulenhälften, welche durch je einen aus drei parallelen 3,6/4,2 mm-Drähten bestehenden Leiter gebildet wird. Die Magnetbohrung beträgt 761 mm, Die sechs in Serie geschalteten Spulen werden durch eine aus 3300 Windungen von 1,6/2,0 mm-Draht bestehende Nebenschlusswickelung und durch eine aus 3,5 Windungen von 1,5 x 100 mm Kupferblech bestehende Kompoundwickelung gebildet.

Die Apparatenanlagen für die Drehstrommotoren und Gleichstrommaschinen sind von einander getrennt. Für jeden der beiden Drehstrommotoren sind ein Amperemeter, dreipoliger Hochspannungs-Zugschalter, Anlassvorrichtung und die Sicherungen, für beide Motoren ein gemeinsames Voltmeter und ein Zähler für den von den Motoren verbrauchten Strom vorgesehen. Die Gleichstromapparatenanlage enthält für jede der beiden Gleichstrommaschinen ein Amperemeter, einen Voltmeter; einen zweipoligen Ausschalter und eine Reguliervorrichtung. Zum Parallelschalten der Gleichstrommaschinen mit der Pufferbatterie ist ein zweipoliger Ausschalter vorgesehen. Zwei einpolige Umschalter dienen dazu, die Gleichstrommaschinen als Nebenschluss- oder Kornpoundmaschinen arbeiten zu lassen. Ersterer Fall tritt ein, wenn die Gleichstrommaschinen parallel mit der Batterie, letzterer Fall, wenn sie ohne Batterie (bei Reparaturen oder Störungen derselben) arbeiten. Ein weiterer zweipoliger Umschalter wird zum Parallel- oder Hintereinanderschalten der beiden Batteriehälften verwendet. Zum Messen des Lade- und Entladestromes ist ein Amperemeter und ein mit Umschalter versehenes Voltmeter angeordnet.

Zur Bedienung der Batterie wurden zwei Handzellenschalter für je 6 x 3 Zellen vorgesehen. Für jede der beiden abgehenden Speiseleitungen ist ein Amperemeter, ein Maximalausschalter mit Kurzschlussprüfungsvorrichtung und ein Zähler vorhanden.

Die in einem eigenen Gebäude in der Nähe der Kraftzentrale untergebrachte Pufferbatterie besteht aus 276 Elementen und hat eine Kapazität von 165 Amperestunden.

Die Hauptlinie dieser, von der MASCHINENFABRIK OERLIKON erstellten Strassenbahn führt vom Bahnhofe Schaffhausen der schweizerischen Bundesbahnen, vor dem "Obertor" vorüber, nach Neuhausen; die Nebenlinie zweigt vom Obertor ab nach dem Schützenhause (sogenannte "Breitelinie"). Eine dritte kurze Linie führt vorn Bahnhofe in das Depot. Alle Linien sind einspurig ausgeführt und mit Ausweichgeleisen von durchschnittlich 80 m Länge versehen.

Die Hauptabmessungen der Linien sind:
Betriebslänge der Hauptlinie 3,136 km
Betriebslänge der Breitelinie 0,856 km
Spurweite 1 m
Achsendistanz der Ausweichgeleise 2,5 m
(Lichtweite zwischen zwei sich kreuzenden Wagen 50 cm)
Geleisentfernung vom nächstgelegenen Bürgersteigrande 1 m
Gesamtlänge .der Auswelchgeleise auf der Hautlinie 510 m
auf der BreiteIinie 270 m
Kleinster Krümmungshalbmesser 20 m
In Geraden liegen auf der Hautlinie 53 %
auf der BreiteIinie 66 %
In Kurven liegen auf der Hautlinie 47 %
auf der BreiteIinie 34 %
In den Kurven beträgt die Spurerweiterung am Bogenanfang 6 mm
in der Bogenmitte 10 mm
am Bogenende 7 mm
In den Kurven beträgt die Überhöhung am Bogenanfang 36 mm
in der Bogenmitte 35 mm
am Bogenende 6 mm
Grösste Steigung auf der Hauptlinie 54 %
auf der Breitelinie 81 %
Höhenunterschied zwischen Bahnhof und Schützenhausplatz 52 m

Die Geleise sind auf der Strasse so verlegt, dass die Schienenoberkanten in das Strassenniveau fallen, so dass also die volle Strassenbreite dem Fuhrwerke zur Verfügung steht. Als Unterlage der Schienen dient eine Packlage aus Bruchsteinen von 0,40 m Breite und 0,25 m Stärke mit darüberliegender Schotterschichte von 0,05 m Stärke.

Für den Oberbau wurden Phönixrillenschienen, Profil No.146 verwendet. Dieses Profil ist 150 mm hoch, hat eine Kopfbreite von 97 mm, eine Fussbreite von 150 mm und wiegt pro Laufmeter 42,4 kg. Die Schienen, deren Baulänge 12 m beträgt, werden mittels eiserner Spurhalter in ihrer gegenseitigen Lage festgelegt. Die Geleise sind durchweg mit Halbstoss versehen. Die Weichen sind normale Phönix-Doppelzungenweichen.

Die elektrischen Schienenverbindungen wurden nach dem System EDISON-BROWN ausgeführt.

Die Betriebsspannung beträgt 550 Volt, der maximale Spannungsverlust 50 Volt.

Die von der Kraftzentrale abgehende Speiseleitung, welche durch ein Bleikabel von 100 mm Durchmesser gebildet wird, ist in einem, auf dem über den Rhein führenden Übergangsstege befestigten Holzkanale verlegt und mündet am Ende des Steges in einen gusseisernen Verteiltopf, von welchem zwei auf Porzellanrollen montierte Kabel nach einem unmittelbar vor dem Eingange zum Stege angeordneten Unterbrechungsisolator führen. Durch einen besonders ausgebildeten Schalter kann die ganze Hauptlinie oder eine der beiden Streckenhälften (Stadtseite oder Neuhauserseite) mit Strom versorgt werden.

Typischer MFO-Masten, wie er häufig verbaut wurde.Zur Speisung der Breitelinie dient ein Bleikabel von 60 mm2 Querschnitt, welches in Tonkanälen verlegt ist und beiläufig in der Mitte dieser Nebenlinie an letztere angeschlossen ist.

Die Fahrdrahtleitung besteht aus einem hartgezogenen Kupferdrahte von 8 mm Durchmesser, welcher mittels 6 mm -Stahlspanndrähten auf Masten und Mauerrosetten oder auf Auslegermasten 6,5 m über Schienenoberkante aufgehängt ist.

Die Rückleitung des Stromes erfolgt durch die Schienen und von diesen durch ein über den Rheinsteg führendes isoliertes Kabel nach der Kraftzentrale.

Alle Masten sind aus Mannesmannstahlröhren hergestellt. Die auf der Strecke angeordneten Blitzschutzapparate sind an Spannmasten oder Konsolen montiert. Bei der Ausführung des Speisekabels aus der Kraftzentrale ist ebenfalls ein Blitzschutzapparat eingebaut.

Zum Schutze gegen herabfallende Telephonphon- und Telegraphendrähte werden isoliert aufgehängte Schutznetze verwendet, welche durch einen 6 mm-Kupfererdleitungsdraht mit den Schienen verbunden sind. Die Schutznetze bestehen aus 6 mm-Längsstahldrähten welche durch 4 mm-Querstahldrähte miteinander verbunden sind.

Das Untergestell der zweiachsigen Motorwagen besteht aus dem eigentlichen Motorgestelle und dem Kastengestelle. Ersteres ist aus zwei Langträgern aus gepresstem Stahlblech gebildet, welche durch Profileisen verbunden sind und mittels kräftiger Schraubenfedern auf den aus Stahlguss gefertigten Achsbüchsen ruhen. Das Kastengestell ist aus Profileisen hergestellt und wird von Pinzette- und Schraubenfedern getragen, so dass sich für den Kasten eine doppelte Abfederung ergibt. Das Kastengestell ist ausserdem durch ein Sprengwerk versteift, dessen Streben zur vertikalen Führung des Kastens in entsprechenden Büchsen des Motorgestelles laufen.

Der Kasten hat geschlossene Plattformen, welche vom Wageninneren durch Schiebetüren getrennt sind. Die Sitze sind in der Längsrichtung angeordnet und aus Holzlatten gebildet. Die Fenster haben bewegliche Spiegelscheiben mit Metallrahmen und Rolladen. Zur Ventilation dient ein Oberlichtaufbau mit drehbaren Scheiben, sowie zwei vom Wageninneren aus bewegliche Luftschieber. Der Kasten ist aussen mit Stahlblechen verkleidet und mit einem wasserdichten Segeltuche eingedeckt.

Die Wagen sind mit einer achtklötzigen Spindelbremse ausgerüstet. Die auf der Breitelinie verkehrenden Wagen sind ferner mit einer Sicherheitsbremse versehen.

Dieselbe besteht aus acht Radschuhen, welche zu je vier zusammengekuppelt sind und mit einer von jedem Führerstande aus zu betätigenden Auslösevorrichtung unter die Räder gebracht werden, so dass das gesamte Wagengewicht jeweilen auf vier Radschuhen ruht.

Die Schuhe werden durch einen seitlich unten am Wagen angeordneten Kurbelmechanismus in ihre Ruhestellung zurückgebracht.

Jeder Personenmotorwagen ist mit zwei Motoren, Maschinentyp OERLIKON TM 5, und mit Oerlikon-Regulierschalter ausgerüstet (wie Städtische Strassenbahn Zürich).

Die Stromabnahme von der Fahrdrahtleitung erfolgt durch ein Trolley.

Die Remise hat eine Grundfläche von 475 m2, enthält vier Geleise mit zwei Putzgruben und hat einen Fassungsraum für 12 Wagen. Zur Beleuchtung der Remise, an welche eine Werkstätte und Schmiede angebaut ist, dienen Bogenlampen und Glühlampen.

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Letzte Änderungen: 10.10.03


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