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Aus der Zeitschrift Tram 1/91
Die Maschinenfabrik Oerlikon versuchte fahrleitungsunabhängige Fahrzeuge zu bauen. Die mitgeführte Energie bezogen die Motoren aus einem schnelllaufenden Rotor über einen Generator. Als erstes setzte MFO die Idee in einem eigenen Rangiertraktor um. Weiter wurde das Prinzip in einer Serie Minenlokomotiven für Südafrika und Australien sowie in Schiffen angewendet.
Überzeugt von ihren Erfahrungen kam 1950 die Gelegenheit und MFO machte sich (zusammen mit FBW und den Karosseriewerken Aarburg) an die Konstruktion von zwei Bussen zu 100 PS (74 kW) mit dem gleichen Antrieb. Diese besassen je 35 Sitz- und Stehplätze und kamen - nachdem ein Wagen an der Mustermesse 1950 ausgestellt war - zwischen dem 1. Oktober 1953 und dem 30. Oktober 1960 bei der SA Gyrobus Yverdon - Grandson (GYG) auf der 4,5 km langen Strecke zuerst im Stundentakt (in Spitzenzeiten im Halbstundentakt) zum Einsatz.
An den Endhaltestellen konnten pneumatisch die drei Stromabnehmer an den Stromausleger gesetzt und so mit 380 (nach einem Jahr 500) Volt Drehstrom mit dem Motor das tonnenschwere Schwungrad von 170 cm Durchmesser auf 3000 Touren pro Minute "aufgeladen" werden. Die Schwungmasse gab dann wieder elektrische Energie über den Motor, der nun als Generator arbeitete, an die Fahrmotoren ab, was dem Wagen einen Aktionsradius von 20 km verlieh. Bremsenergie konnte umgekehrt wieder auf den Kreisel rekuperiert werden.
Leider blieben die erhofften Passagierzahlen aus (die durchschnittliche Belegung lag bei drei bis vier Fahrgästen). 1960 kam noch ein Gyrobus mit 28 Sitzplätzen. Alle drei zusammen legten 712'000 km zurück.
Anschliessend fanden weitere Kurzversuche in verschiedenen orten statt: Altdorf, Aarau, Heerbrugg -Hohenems, Locarno -Cornaredo 1954 und in Zürich Nord. Ein Versuch war noch in Nizza vorgesehen, doch kam es nicht mehr dazu.
Weitere 12 Gyrobusse konnten 1955 nach Leopoldville (heute Kingshasa) und drei 1956 nach Gent geliefert werden. Von letzterem sei noch ein Exemplar in einem belgischen Museum erhalten. 1960 wurden auch diese Gyrobusbetriebe eingestellt.
Vorteile des Systems war, dass die Wagen leise, abgasfrei und ohne Fahrleitung auskamen. Jedoch waren die Gyrobusse mit 11,5 t Gewicht (gegenüber 8 t eines Dieselbusses in der gleichen Grösse) recht schwer. Auch war die Technik nicht ganz ungefährlich: Das Schwungrad mit über einer Tonne Gewicht hatte bei 3000 T/Min eine Aussengeschwindigkeit von 900 km/h und machte den Konstrukteuren einige Mühe mit der Lagerung.
Ernst B. Leutwiler
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Der Prototyp Gyrobus um 1950 am place Bel-Air in Yverdon. Beachtenswert, das ZH (Zürich) Nummernschild. |
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Am selben Ort wie oben um 1953-54, der Gyrobus Nr. 1 der GYG. Nun befindet auf der anderen Strassenseite auch ein Stromausleger. Fotos: MFO |
Letzte Änderungen: 30.08.2006
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