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Keine Angst vor Uniformen

Während es draussen schneit und immer kälter wird, überlege ich mir, wie viele Schichten ich unter der Uniform tragen soll. Morgen Sonntag werden es drei langärmlige Leibchen und ein Faserpelz sein. Bei den langen Unterhosen und den Trainerhosen soll es auch bleiben. Das muss reichen, sonst kann ich mich nicht mehr bewegen. Und wie ich da so in der Stube schwitze, denke ich , wieso machst Du das eigentlich? Hast Du am Sonntag nichts besseres zu tun, als mit alten Trams herumzufahren und zu frieren? Weshalb schon wieder ich? Will denn sonst niemand?

Foto: Comet PhotoshoppingIn der Tat sind es immer etwa die gleichen Kollegen, die sich die Einsätze als Zugbegleiter teilen. Ich bin aber sicher, dass es in unserem Verein noch unzählige verborgene Talente für diesen Job gibt. Warum aber melden Sie sich nicht bei uns? Ist es die Angst vor dem Unbekannten, dem sich zur Schau stellen oder sind es die leicht müffeligen Uniformen? Ich weiss es nicht. Ich weiss nur, dass mir selbst die Arbeit als Zugbegleiter auch nicht immer gefällt. Aber was am Schluss bleibt, sind die guten Begegnungen mit den Fahrgästen, die Gespräche, die man mit wildfremden Leuten führt und natürlich auch die lustigen Erlebnisse.

Aber eben, morgen ist Sonntag. Schneefall ist angesagt und Temperaturen um die 5°C. Ah ja, einen Thermoskrug Kaffee muss ich noch einpacken. Diese Fahrten am verkaufsoffenen Sonntag im Dezember sind nämlich noch streng. Letztes Mal hatte ich keine Zeit für einen kurzen Abstecher ins Bellcafe.

Die Entschädigung fürs Frieren wird aber prompt kommen. Das Lachen der Leute, die freundlichen Gesichter und manchmal auch einen Batzen ins Kässeli, was braucht ein Zugbegleiter mehr? Ich erinnere mich gerade an die beiden älteren Damen, die aus irgendeinem Grund zwei volle Runden mit mir gefahren sind. Das war an der langen Nacht der Museen. Immer wenn ich die Haltestelle ansagen wollte, lachten sie so herzhaft, dass ich irgendwann damit beginnen musste, auf die Seite zu schauen, wenn ich meiner Arbeit seriös nachgehen wollte.

Für einen Single gibt es eigentlich keine bessere Möglichkeit um nette Leute kennen zu lernen, als ein Einsatz als Zugbegleiter beim Tram Museum Zürich. Und wenn man sich erst mal an die bewundernden Blicke gewöhnt hat, macht man den Job sogar gerne, egal ob bei +30°C oder -5°C.

Es kommt nur auf den Versuch an. Versuchen Sie es doch auch mal!

Martin Gnann

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Letzte Änderungen: 30.08.2006


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