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Den Lampensucher

Der Titel irritiert. Wir beschäftigen in unserem Museum nicht irgendwelche Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter um Lampen zu suchen, sondern damit ist eine alte Apparatur in unseren Museumswagen gemeint, die bereits seit der Jahrhundertwende funktioniert. Das System ist einfach, doch eine gewisse Raffinesse kann ihm nicht abgesprochen werden. Lösungen mit Pfiff gibt es auch ohne Mikroprozessortechnik!

LampenschemaDie Strassenbahn fährt mit 600 Volt Gleichstrom, somit hat auch die elektrische Beleuchtung irgendwie damit zu funktionieren. Als naheliegendste Lösung erschiene es am Einfachsten, Glühlampen für 600 V Spannung herzustellen. Die Glühdrähte der ersten Lampen bestanden noch aus Kohlefäden. Diese Lampen waren nicht nur sehr teuer, sondern brannten auch in kurzer Zeit durch, ausserdem waren sie erschütterungsempfindlich. Auch später war es, trotz grossen Fortschritten bei der Glühlampentechnik sehr schwierig Lampen für 600 Volt herzustellen. In der damaligen Zeit gab es bei Elektrizitätswerken die verschiedensten Netzspannungen. Eine weit verbreitete Spannung betrug 120 Volt, entsprechende Glühlampen konnten somit leicht beschafft werden. Die Verwendung solcher Birnen lösten unsere Grossväter mit einem schaltungstechnischen Trick. Werden nämlich fünf Lampen à 120 Volt in Serie, also hintereinander, ähnlich einer Kette, geschaltet, so beträgt die Nennspannung genau 600 Volt, das ist im Tram ja auch gefragt.

Wunderbar, denken Sie, doch die Leserinnen und Leser mit Kenntnissen der Elektrotechnik schmunzeln schon, denn brennt eine Lampe durch, so fliesst kein Strom mehr, auch die vier anderen Birnen bleiben dunkel. (Es ist vergleichbar einer Kette, wenn ein Glied reisst, so ist die Kette unbrauchbar geworden). Stellen Sie sich nun folgende Situation vor: Der Wagen voller Passagiere, Scheinwerfer und Signallicht fallen plötzlich aus, eine Weiterfahrt nicht zu verantworten! Der Kondukteur sucht scheinbar planlos alle Lampen ab und keiner begreift sein Tun! Genau hier kommt unser Lampensucher zum Einsatz! Er ist nichts anderes als ein Schiebe- oder Drehschalter mit mehreren Stellungen. In unserer Beleuchtungsserie ist zusätzlich eine sechste Birne eingebaut, welche vom Lampensucher überbrückt ist, sie brennt also nicht. Im Falle eines Schaden wird der Lampensucher langsam von einer zur nächsten Position verschoben, so werden nacheinander sämtlicher Lampen abwechslungsweise kurzgeschlossen. In einer Stellung wird die defekte Birne überbrückt, das Licht brennt jetzt wieder! Dank dem in jedem Fahrzeug vorhandenen Reservematerial ist es für den Kondukteur ein leichtes die schadhafte Glühlampe auszutauschen und den Lampensucher wieder in die Normalposition zu bringen. Grundsätzlich ist noch zu sagen, dass jeder Tramwagen mindestens zwei unabhängige Beleuchtungsstromkreise besitzt. Ganz dunkel wurde es daher in keinem Fall. Die wichtigsten Lampen sind in der sogenannten Serie 1 zusammengefasst, dazu gehören die Stirn- und Signallampen. Diese Serie ist mit einem Lampensucher ausgerüstet.

Da die alten Tramwagen als Zweirichtungsfahrzeuge konzipiert waren und Tramschleifen bis 1972 (Kirche Fluntem) nicht an jeder Endstation vorhanden waren musste dort jeweils die Fahrtrichtung gewechselt werden. Dazu gehörte natürlich auch das Umschalten der Stirnlampe. Diese Aufgabe übernahm ebenfalls der Lampensucher, beide Stirnlampen sind daher in diesem Stromkreis und brennen jeweils in einer Endstellung des Schalters. So musste der Kondukteur an den Endstationen ohne Schleife jeweils auch den Lampensucher in die andere Endposition bringen.

In unseren Wagen ist diese Apparatur noch heute in Funktion zu bewundern. Es gehört übrigens zum normalen Gebrauch, dass sich im Innern beim Umschalten gut sicht- und hörbare Funken bilden; unsere Beleuchtung wird ja schliesslich mit 600 Volt betrieben!

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Letzte Änderungen: 30.08.2006


Skizze Tramzug

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