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Der Bau von Tram-Modellen

Vorarbeiten

Modellbau aus Holz ist in den meisten Nenngrössen möglich, findet vorwiegend aber im Massstab HO und grösser statt. Obwohl auch in HO tätig, geht es in diesem Beitrag um grössere Trammodelle, welche auf LGB-Gleisen eingesetzt werden können. Die vorgestellte Art des Modellbaues ist vorgesehen für den Spielbetrieb von Kindern - robust und deshalb ohne viel Zubehör. Aber eines müssen sie sein: typisch! Der Erbauer baut diese Fahrzeuge 1:22,5 mit 45 mm Spurweite. Als Vorbild dieses Textes dient ein «Lisebethli», ein Fahrzeug der ehemaligen «Limmattalstrassenbahn». In den Zeichnungen werden bewusst keine (oder nur wenige) Masse aufgenommen, diese hängen von der Konstruktion und dem vorhandenen Material sowie der Nenngrösse ab. Der Modellbauer muss sich seine Masse selber umrechnen. Die vom Erbauer angegebenen Holzdicken sind Erfahrungswerte.

Wie beginnt man mit Modellbau?

Zu Beginn einer erfolgreichen Modellbaukarriere sollte man sich im Klaren sein, dass «kein Meister vom Himmel gefallen» ist. Mit verhältnismässig wenig Werkzeug (siehe Kasten), etwas Handfertigkeit und vor allem Geduld ist es dennoch möglich, ansprechende Fahrzeuge herzustellen. Zudem sollte man den Rat erfahrener Modellbauer nicht scheuen.

Viele würden wohl am liebsten gleich einen Triebwagen bauen, dies allerdings ist für den Neueinsteiger, sollte er nicht mechanische Kenntnisse oder Erfahrung in der Holzbearbeitung haben, eine recht grosse Hürde. Deswegen ist es angebracht, zuerst mit einem «Anhängewagen» zu beginnen. Möglichst Fahrzeuge wählen, welche keine oder nur wenig Rundungen aufweisen, da dies viel schwieriger zu beherrschen ist als «Zigarettenkistchen» von Tramwagen. Lieber schöne, einfache Fahrzeuge fertig zu bauen sollte die Devise sein.

Welches Fahrzeug wir bauen, ist unser Entscheid. Abhängig aber sicher von der Möglichkeit der Beschaffung von Plänen, Typenskizzen, Fotos und unter Umständen Abmessungen am Vorbild. Vlele meiner Pläne stammen von Typenskizzenbüchern (TMZ usw.), welche ich auf den nötigen Massstab herauf- oder herunterkopiere, so dass die Masse dort direkt entnommen werden können. Dies erleichtert die Arbeiten ungemein, da kein dauerndes Umrechnen in der Bauzeit nötig wird. Das Beste sind natürlich Pläne 1:10, 1:20, welche herunterkopiert werden können; die Genauigkeit ist besser.

Beschaffung von Teilen

Ein Fahrzeug sollte fahren und kein «Stehzeug» sein, deshalb müssen Radsätze beschafft werden, in unserem Falle solche von LGB (Voll- oder Speichenradsätze). Wer Beziehungen oder Kenntnisse hat, kann sich Antriebe anfertigen oder besorgen. Bei LGB-Gleisen und deren Radien sollten wir aber für Zweiachswagen nicht über einen Radstand von 120 mm gehen.

Nötig werden auch Kupplungen, z. B. von LGB oder Kadee, diese sind in ihrer Länge abhängig vom zu befahrenden Kurvenradius. Nötigenfalls müssen diese verlängert werden oder man stellt sie selber her. Sie sollten seitlich genügend Spiel haben. Die Klauen müssen sich auch bei schlecht verlegtem Gleis den unterschiedlichen Höhen anpassen können. Weiter sollte man sich Gedanken machen, ob die Fahrzeuge beleuchtet werden sollten.

Grundsätzlich werden je zwei Seitenwände, zwei Fronten, ein Boden, ein Fahrgestell oder Drehgestelle sowie ein Dach als Hülle benötigt. Innerhalb des Fahrzeuges werden weitere Abteiltrennwände, Dachsparren, Verstärkungen und Weiteres je nach Wunsch nötig werden. Einer der besten Werkstoffe für unseren Modellbau ist Sperrholz.

Fahrgestell

Für Neueinsteiger: Bahnfahrzeuge - und dazu gehören auch Fahrzeuge der Gattung Tram - bestehen aus dem oder den Fahrgestell(en) mit dem Laufwerk, dem Untergestell und den Aufbauten. Fahrgestell und Laufwerk sind aus Metall gefertigt. Das Untergestell hingegen und vor allem die Aufbauten, zusammen auch Wagenkasten genannt, wurden früher vielfach aus Holz gefertigt. Es gibt den aufgesetzten, den mittragenden und den selbsttragenden Wagenkasten. Unser Fahrzeug gehört ersterer Bauart an. Der Wagenkasten liegt beim Vorbild federnd auf dem Fahrwerk auf.

Wir beginnen deshalb mit dem Fahrgestell, worin die Radsätze mit ihren Achsen ein- greifen. Hier gehen wir im Modell bereits den ersten Kompromiss ein: Fahrgestell, Untergestell und Wagenkasten werden ohne Federung zusammengebaut.

Nach dem Aufzeichnen sägen wir die erste Fahrgestell-Seitenwange aus 4 - 6 mm - Sperrholz aus und benötigen diese danach für die zweite Wange als Sägelehre. Grund: Bei dickem Material wird der Sägeschnitt gern schräg und deshalb nicht massgenau. Also nicht miteinander sägen! Weiter können dann von aussen als Attrappen die Federung und weitere Teile aufgeleimt werden.

Wagenboden

Auf 6 mm dickem Sperrholz zeichnen oder reissen wir den Wagenboden an: Für die Länge ist 8 mm abzuziehen (= für die beiden Stirnwände je 4 mm), für die Breite 6 mm (= zwei Seitenwände à 3 mm) sowie dasselbe für die beiden (eingezogenen) Einstiegsplattformen (siehe Grundriss) und sägen sie mit dem normalen Laubsägebogen mit Blättern Nr. 2 - 4 aus. Mit dem Fahrgestell wird dieser nun mittels Leim zusammengefügt.

Der zentrale Wagenkasten

Bei dünnerem Material können wir es einfacher haben: Wir kleben mit Malerabdeckband beide Seitenteile zusammen, um nur einmal aufzeichnen und aussägen zu müssen. Der Rahmen wird anschliessend mittels Distanzstücken zusammengeleimt. Dies sollten wir möglichst bald erledigen, da sonst die Weiterverarbeitung behindert wird.

Aus zwei 1 mm - Sperrholz werden nun die Seitenwände mittels Laubsägeblatt 2 ausgesägt. In der Breite (eigentlich besser Höhe!) 1 mm, in der Länge ca. 10 mm zugeben. Beide Teile werden wieder mit Klebeband aussen zusammengeklebt. Fenster aufzeichnen und ein Loch bohren (Säge einführen!). Zum Aussägen der Fenster benötigt man wiederum einen Handbohrer (Drill) mit einem 3 mm-Bohrer. Diese Bohrung sollte ungefähr 1 mm vom Rand weg sein, da man nachher näher am Riss arbeiten kann. Anschliessend aussägen, so dass noch mit der Feile die Öffnungen fein nachbearbeitet werden können. Das Ganze zweimal pro Fahrzeug, das heisst: jede Seite einzeln für sich! Um die Fenster(rahmen) dazwischen einfügen zu können, wird je nach Konstruktion Füllmaterial, z. B. aus «Fensterabfall», benötigt. Dabei sind die Fensterstege sowie die Unterkante der Fenster grösser vorzusehen als das von aussen sichtbare Fenster. Eine weitere Möglichkeit ist das Einsetzen von Sprossen als Fensterführung, wobei unten und oben alles offen bleibt. Bei beiden Arten werden dann diese Teile genau zusammengeleimt. Somit können dann später nach dem Streichen die Fenster aus Plastik(folie) von oben eingeschoben werden. Dies ergibt die Wandstärke von 3 x 1 mm = 3mm.

Bei alten Vorbildmodellen, welche unten abgeschrägt sind, müssen die äusseren Wandteile entsprechend abgesägt werden. Den Doppel (vorderer Teil) ca. 1-1,5 mm breiter lassen und aufkleben. Nach dem verleimen sollten wir einen Tag durchtrocknen lassen, nachher die untern, schrägen Teile mit einer Leiste hohl einleimen.

Vor der Weiterverarbeitung sollten geschweifte Teile mindestens einen Tag, z. B. mittels Schraubzwingen oder Gewichten gespannt, trocknen können, worauf sie sich auf einem aufgespannten Schleifpapier auf die genaue Breite (Modellhöhe) abschleifen lassen. Es folgt nun analog das Absägen der Länge und das Kürzen auf das richtige Mass. Nach dem Anfertigen der Abteiltrennwände aus 4 mm - Sperrholz (die Öffnungen nur ausgesägt) sind diese frontalen Teile bereit zum Zusammenbau mit dem Wagenboden. Daran leimen wir anschliessend jeweils die dazugehörenden Seitenwände (mit Winkel setzen!). Auch hier lohnt es sich, mittels Holz- oder andern Lehren darauf zu achten, dass alles rechtwinklig wird.

Inzwischen haben wir Zeit, an den Wagenseiten oben eine Verstärkungsleiste 8 x 8 mm aufzuleimen. Weiter werden die ausgeschnittenen Vorbauteile angesetzt und geleimt. Vorsicht auf Rechtwinkligkeit!

Vorbauten

Nun wiederholt sich das Vorhergehende auch bei den Vorbauten (Plattformen) und Türen. Beim Vorbauboden lohnt es sich, je zwei 4 mm-Sperrholzplatten deckungsgleich auszusägen. Die eine dient als Boden, die zweite wird nach weiteren Arbeitsschritten zur Vorbaudeckenverstärkung. Dieser Teil wird rechteckig ca. 12 mm vom Aussenrand ausgesägt und dient später zur Dachzentrierung. Es folgen die im Original zurückgesetzten Schiebetüren, welche ebenfalls aufzuleimen sind. Dabei ist zu beachten, dass die Türbreite plus Materialüberdeckung festzulegen sind. Türen (doppelt wegen Fenster, analog Seitenwände 3 x 1 mm Sperrholz) anfertigen. Der anschliessende seitliche Türschlupf folgt in gleicher Weise.

Anschliessend werden wir uns hinter die eigentliche Stirnfront «machen»: Bei geraden oder nur leicht zugespitzten Fronten kann mit einem oder drei Teilen das Auslangen gefunden werden. Die eigentlichen Fronten erstehen aus 3 x 1 mm dickem Sperrholz wiederum die zwei «Blätter» mit den Sprossen mittels Klebband zusammen- kleben und Fensterausschnitte aussägen und dann nachbearbeiten. Der untere Teil wird aus Sperrholzresten 1 mm aufgefüllt. Alles am Vorbauboden zusammenleimen und mittels Schraubzwingen oder Klebebändern festhalten, notfalls mit Büchern beschweren und pressen. Dazu kommt uns nun das Doppel des Bodens (Deckenverstärkung) oben als Lehre zu Hilfe. Auch diese wird geleimt und gut arretiert, dann durchtrocknen lassen. Somit ist die Wagenhülle fertig.

Variante runder Vorbau

Bei abgerundeten Fronten müssen diese zuerst einseitig geleimt werden und wiederum mindestens einen Tag austrocknen können, anschliessend spannend um die Rundung des Plattformbodens leimen und gut arretieren, dann durchtrocknen lassen. Dazu kommt uns das Doppel des Bodens oben als Lehre zu Hilfe.

Innenausbau

Die Sitze werden aufgezeichnet, dabei sollten die Wanddicken abgezogen werden. Es können Sitzlättchen einzeln aufgeklebt oder solche aus 1 mm - Sperrholz mit 1- 1,5 mm Breite erstellt werden. Wieweit wir die Inneneinrichtung erstellen wollen, hängt von unserem Gutdünken und dem Fahrzeugeinsatz ab. Es lohnt sich aber sicher, die typischen Holzlatten, wenn auch nur andeutungsweise, herzustellen.

Dach

Dieses schneiden wir aus einer 4 mm - Platte zu, 2 x 2 mm länger als der Wagenkasten. Aus Tannenholz oder 10 mm - Sperrholz werden je nach der Breite und Länge des Daches zwei ca. 200 mm lange Stücke hergerichtet. Diese dienen als Dachendstück und werden zur richtigen Form bearbeitet. Die Seitenabschlüsse bilden je eine hochkant stehende Leiste 8 x 5 mm. Diese ist auf die Dachrundung anzupassen. Da unser Wagen ein Oberlicht besitzt, müssen die Innenmasse auf die Grundplatte übertragen werden und dann ausgesägt werden. Das eigentliche Oberlicht wird mit Seiten- und Frontteilen erstellt und in das vorbereitete Dach eingeleimt. Seitlich des Oberlichtes müssen nun noch Dachteile angefertigt werden, welche mittels einer am Oberlicht befestigten Längsleiste gehalten werden. Einige Spriegel aus 4 mm - Sperrholz geben genügend Festigkeit und Form. Nach dem genau Einpassen des Daches müssen nun noch die vom Vorbau liegen gebliebenen Teile unten ans Dach geleimt werden; sie dienen nun als Führung desselben.

Variante normales Dach

Im Zwischenteil aus 4 mm - Sperrholz zwei bis vier Auflagen (Spriegel) in der Form des Daches (minus Dachdicke) aussägen und aufleimen. Anschliessend wird eine 1 mm - Sperrholzplatte hergerichtet, 5 mm breiter und 40 mm länger als der Mittelteil, zum Leimen einspannen. Diese wird einseitig mittels Klebeband fixiert und geleimt - mindestens einen ganzen Tag trocknen lassen! Am zweiten Tag folgt die Rundung des Daches, indem das Teil auf die andere Seite gezogen und geleimt wird, festgehalten wieder durch Klammern oder Klebestreifen. Trocknen lassen! Anschliessend kann das Ganze entsprechend der Dachform befeilt und geschliffen werden. Das Ganze muss genau ausgerichtet werden - schleifen mit 40er Glaspapier oder feilen!

Stromabnehmer

Für modernere oder modernisierte Triebwagen können die von LGB angebotenen Scherenstromabnehmer verwendet werden. Lyrabügel («Teppichklopfer») müssen hingegen selber gefertigt werden. Damit beide Seiten gleich gebogen werden, sollte der Stromabnehmer aufgezeichnet oder um eine Lehre gebogen werden. Dazu verwenden wir Kupfer- oder Messingdraht mit einem Durchmesser von 1,5 mm. Die Kreuzverstrebung wird eingelötet. Eine einfache Variante wäre in beiden Fahrtrichtungen einsetzbar und würde mittels eines Endanschlages oder Rastrierungen in den vorgesehenen Stellungen gehalten.

Möchte man aber unter Fahrleitung fahren, sollte eine kompliziertere, gefederte Variante gewählt werden. Dabei wird um die zentrale Welle eine Feder mit eingebaut, welche durch ihre zwei Endlappen den Stromabnehmer in die Mittelstellung drückt. Der eine klemmt am Holm, der andere wird auf der Metallgrundplatte festgehalten.

Solche Federn zu finden ist allerdings nicht leicht und deren Funktionieren muss ausprobiert werden. Nun kann noch die Montage des Lyrabügel-Bocks erfolgen.

Dekorationsleisten

Zur Zierde werden rundum (wo vorgesehen) 1 mm-Streifen Sperrholz aufgeleimt und mittels Klebeband bis zum Abbinden des Leims festgehalten. Zuerst die Längsleisten, anschliessend die Höhenleisten, es müssen demzufolge die Ersteren um 2 mm kürzer zugeschnitten werden. Die Höhenleisten dürfen länger sein und werden anschliessend zurechtgeschnitten. Auf dem Dach muss noch der Kabelkanal aus 2 x 1 mm Sperrholz angebracht werden.

Bemalen und Beschriften

Nur soviel: Es werden Lackfarben verwendet, so wie geliefert, Hartgrund kann anstelle einer Farbschicht gestrichen werden. Normalerweise streiche ich ein Fahrzeug viermal unverdünnt. Sollte bereits ein Hartgrund deckend aufgetragen worden sein, ergibt das noch drei Farblagen. Das Streichen von Hand hat den Vorteil gegenüber dem Farbspritzen mit der Pistole, dass kein Abdecken und keine Spritzkabine (Umweltschutz, Personenschutz) erforderlich ist.

Details

Das Befestigen der Kupplung (z. B. LGB, Kadee) muss auf der richtigen Höhe erfolgen (Lehre anfertigen und benutzen). Bei Erstlingsmodellen besser sich nicht an Details «aufhängen», sondern das Wesentliche zuerst zufriedenstellend lösen und bearbeiten. Solcher Kleinkram kann später immer wieder oder noch angebracht werden. Wenn wie bei meinen im Tram-Museum Wartau von Kindern zu fahrenden Trams etwas abbricht, ist dies nicht weiter schlimm. Ich verzichte deshalb auf allzu vielen Schnickschnack, was die Kinder aber nie stört - sie sehen sowieso nur das Typische. das Wesentliche.

Bruno Kunz
Urs Nötzli

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Alle unsere Modelle wurden hergestellt von:
Bruno Kunz
Berninastrasse 35
8057 Zürich
Bei Fragen zum Selbstbau, ist er Ihnen gerne behilflich.

Das Dach als Einheit. Dies wird nur aufgesteckt, um so auch später ins Innere gelangen zu können.
Der fertige Wagenkasten an einem Stück mit Grundieranstrich.
Zur Verstärkung und Einhaltung der Passgenauigkeit, wird oben ein Rahmen eingefügt. Dieser ist nach aufstecken des Daches nicht mehr sichtbar.
Die Inneneinrichtung wird ebenfalls nachgebildet. Das Innere wird lackiert.
Unter dem Wagen wird eine Einsparung für die fertig erworbene Antriebseinheit von LGB erstellt. Der Antrieb ragt bis ca. "Sitzhöhe" in den Wagen hinein.
Die Trittbretter sind unter dem Wagenboden durchgehend verbunden, um so stabiler zu sein.

Fotos: J. Lüthard

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Letzte Änderungen: 30.08.2006


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