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Die Familiengeschichte des C 455

aus TMZ-Revue 2/92

Unser C 455 vertritt die erstmals ab 1909 beschafften eigentlichen Anhängewagen, zuvor waren für diesen Zweck umgespurte Pferdebahnwagen im Gebrauch. Der Wagenkasten entspricht der klassischen Bauweise mit Untergestell und Holzaufbauten. Die Fensterteilung entsprach der ab 1907 erstmals beschafften Motorwagenserie mit den beiden mittig angeordneten grossen Scheiben, damals war in den Geschäftsberichten stolz von den "Panoramascheiben" der neuen Motorwagen die Rede. Die Fahrzeuge besassen geschlossene Plattformen, wie sie 1898 erstmals bei Industriequartier - Strassenbahn und Strassenbahn Zürich - Höngg zur Ausführung kamen. Entgegen den vorgängig beschafften Motorwagen besass diese Fahrzeugserie anstelle von Plattformtüren Abschlussgitter, welche im hochgeklapptem Zustand als Haltestangen dienen. Neben diesem sehr schönen Detail fallen auch die grossen runden Plattformlampen auf. Die elektrische Einrichtung ist einem Anhängewagen entsprechend einfach gehalten: zwei Beleuchtungsstromkreise, davon einer mit Lampensucher zum Umschalten des Schlusslichtes, Rutenkupplung für Heizung und Beleuchtung, beidseitige Steckdosen für Notsignal und Optisches Signal. An Bremseinrichtungen ist dem Stand der Zeit entsprechend neben der Handbremse noch die vom Bremsstrom der Fahrmotoren des Motorwagens betätigte Solenoidbremse vorhanden. Nachträglich erfolgte der Einbau der Magnetschienenbremse. Die Stromzuführung für Solenoid- und Schienenbremse erfolgt über die beiden Pufferkontakte.

Der zur Sammlung des Tram-Museums Zürich gehörende Anhängewagen C 455 befindet sich noch im ursprünglichen Zustand. Die gesamte Zürcher Wagenserie war in den Dreissiger Jahren auf geschlossene, eckige Plattformen umgebaut worden, daher war bei der Vereinsgründung kein Wagen mehr im Ursprungszustand vorhanden. Die Strassenbahn Schaffhausen, welche 1966 ihren Betrieb einstellte, besass baugleiche, noch im Ablieferungszustand befindliche Anhängewagen. So kam es, dass 1966, noch vor der Gründung des Vereines Tram-Museum Zürich, der 1912 von der Schweizerischen Industriegesellschaft Neuhausen am Rheinfall für die Schaffhauser Strassenbahn erbaute Anhängewagen B2 55 dem Schicksal des Abbruches entging und nach Zürich übersiedeln konnte.

Geschichtliche Beschreibung

Als im Jahre 1894 der elektrische Betrieb bei den Zürcher Strassenbahnen aufgenommen wurde, waren die Frequenzen derart, dass mit den Motorwagen allein der ganze Verkehr bewältigt werden konnte. Mit den zunehmenden Passagierzahlen jedoch entstand das Bedürfnis, Anhängewagen einsetzen zu können. Vorerst behalf man sich mit der Verwendung von dazu hergerichteten umgespurten Pferdebahnwagen. Diese Lösung konnte natürlich auf die Dauer nicht befriedigen. So wurde denn im Jahre 1909 eine erste Serie von Längssitzanhängern in Auftrag gegeben und bis zum Jahre 1919 weiterbeschafft- Es handelt sich hier um die Serie 501 - 572. Die ersten Lieferungen erhielten ursprünglich die Nummernbezeichnung 421 - 468. Mit Ausnahme der Wagen 501 - 512, welche die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN) baute, bestritt die Schweiz. Industriegesellschaft Neuhausen am Rheinfall (SIG) den ganzen Auftrag. Bei den ersten Lieferungen besassen die Einstiege zu den Plattformen noch keine Schiebetüren, lediglich Klappgitter bildeten den Abschluss, so wie beim Museumswagen C 455.

In den Dreissigerjahren wurden alle diese Wagen nach und nach umgebaut. Sie erhielten eckige Plattformen, was im Unterhalt und bei der Behebung von Schadenfallen einfacher war. Der Einbau und die Lagerhaltung der teuren gewölbten Glasscheiben konnte damit ebenfalls vermieden werden; Plexiglas war damals ja noch nicht bekannt. Das eigenwillige Aussehen dieser Fahrzeuge freilich ging mit dem Umbau verloren.

C2 508

Foto: V. Longo

Seit dem Jahre 1961 sind diese Anhänger nach und nach aus dem Verkehr gezogen und abgebrochen worden. Der B2 508 war der letzte dieser 72 Wagen. Er kam im Herbst 1967 zum Abbruch, nachdem er am 23. September 1967 an der VBZ / Forchbahn Exkursion des SEAK zum letzten Male verkehrte. Bei dieser Gelegenheit sei der Einsatz dieses Wagentyps auf der Forchbahn gewürdigt: B2 541 - 544, 501 - 508, FB 116 und 117 sind die Wagen dieser Serie, die aushilfsweise ihren Dienst bei der Forchbahn versahen. Nach dem Unglück an der Gloriastrasse wurde beim Rollmaterial der Städtischen Strassenbahn Zürich die Luftdruckbremse eingebaut, allerdings nicht das gleiche System wie bei der Forchbahn. Im Jahre 1933 wurde bei den C 541 - 544 zusätzlich noch die Knorrbremse für die Forchbahn eingebaut. Damit konnte das Mitfahren eines Bremsers erspart und die Sicherheit erhöht werden. Später erforderte ein Verwaltungsratsentscheid, dass die Anhänger 501 - 504 die zusätzliche Knorrbremse erhalten sollten. Um die Mühsal der Umnummerierung ersparen zu können, wählte man den "einfacheren" Weg und baute die Bremsen bei den Wagen 541 - 544 aus und bei den Wagen 501 - 504 wieder ein. Zusätzlich kam diese Einrichtung bei den Anhängern 505 und 506 ebenfalls zur Anwendung. Später kamen die B2 507 und 508 in den Genuss dieser Zusatzbremse, allerdings mit dem System Charmilles.

C2 575
Wagen 575 mit alter Verblechung nach 1950 in der Endschlaufe Heuried.
Foto: M. Kurz

Bei den VBZ waren diese Wagen der Linie 1 (Depot Burgwies) zugeteilt, später liefen sie als Doppelanhängewagen auf der Linie 11.

Im Jahre 1956 wurden die B2 501 und 502 von der Forchbahn käuflich erworben, erhielten dort die Nummern 116 und 117 und den damals üblichen blauen Anstrich. Im Frühjahr 1967 wurden beide Wagen abgebrochen. Der B 117 ist neben dem Gasthof Schifflände in Maur als Gartenhaus aufgestellt, freilich ohne Untergestell und mit abgeschnittenen Plattformen. Die beiden Fahrzeuge verkehrten, ihres schlechten Zustandes wegen, schon lange nicht mehr, sie wurden durch die gemieteten B 505 und 508 ersetzt.

C2 573
Wagen 573 im Depothof Kalkbreite, bereits mit neuer Verblechung

Mit der Ablieferung der Forchbahn - Steuerwagen wurde der Einsatz der beiden letzteren Anhänger hinfällig. Am 7. August 1967 sind sie dann zum Depot Irchel überführt worden, wo gleich der Abbruch begann. Der B 508 konnte im letzten Augenblick vor dem Verschrotten gerettet werden, um noch an der oben erwähnten Exkursion teilnehmen zu können.

Die B2 573 - 576 gehören nicht zu diese Serie. Sie sind durch Umbau aus den Anhängern 32 - 35 der Strassenbahn Zürich - Oerlikon - Seebach entstanden und entsprachen den Berner Anhängern Nr. 221 - 258. Das Doppeldach blieb als letztes Überbleibsel des Ursprungszustandes erhalten.

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Letzte Änderungen: 13.10.03


Skizze Tramzug

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