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aus TMZ - Revue 3/94
Eigentlich ist es etwas Besonderes, wenn der Verein Tram - Museum Zürich ein neues Buch herausgibt. Man könnte aber schon von professioneller "Coolness" sprechen, wenn man sieht, wie still das neueste Werk über Zürich und sein Tram der Öffentlichkeit übergeben worden ist.
Der flüchtige Eindruck, der das Titelbild vermittelt, stimmt mit dem Inhalt nicht überein. Doch wer hat nicht schon selber aus dem Augenwinkel etwas wahrgenommen - und erst beim zweiten Hinschauen genau gesehen, was es wirklich ist?
Fast unscheinbar schlicht präsentiert sich der Umschlag des Buches, das vor mir liegt. Doch schon auf der ersten Seite beginnt das Spannungfeld von neu und alt auf mich zu wirken, und ich fühle mich hineingezogen in die Lektüre der Geschichten über das Depot, die Sammlung und das Archiv des Tram-Museums. Die Vorworte vom Stadtarchivar Dr. F. Lendenmann und vom Autor M. Schnider sind ein Vorgeschmack zu der Erzählung über die Entwicklung der Mobilität in der städtischen Umgebung seit den Anfängen Ende des letzten Jahrhunderts. Der Bogen wird gespannt bis zur heutigen Zeit: Die Entwicklung der Fahrzeuge, der Linien und die Zunahme der Anzahl beförderter Personen bilden die Basis einer wegweisenden Verkehrsplanung in den Sechzigern und enden im Ausblick in die Zukunft des ZVV.
Der Dialog zwischen alt und neu wird durch das ganze Buch aufrechtgehalten und mit Bildern "aus der guten alten Zeit" und der Gegenwart visualisiert. Der Archivar des TMZ hat uns aus der Gründerzeit der Strassenbahn Aufnahmen von Tramwagen zugänglich gemacht, die noch heute im Tram - Museum zu bestaunen und auf rumpligen Fahrten durch die Stadt erlebbar sind. Die Bildauswahl empfinde ich als gut gelungen. Die Anzahl ist gross und die Bilder sind unaufdringlich im Text plaziert. Die ganzseitigen Aufnahmen lassen mich als interessierten Betrachter im Staunen versinken oder von vergangenen Zeiten träumen.
Die Fahrzeuge des TMZ und weitere Bahnveteranen aus der Region Zürich sind im einzelnen fundiert beschrieben und jeweils mit den wichtigsten Daten in einer kurzen Tabelle ergänzt. Gleichartige Typen und grosse Entwicklungsschritte sind erläutert und deren Besonderheiten verständlich erklärt. Auch hier wird sowohl grafisch, als auch im Text, stets die Verbindung zum Aktuellen geknüpft. Ebenso habe ich über eine Auswahl von Exponaten aus dem Museum und dem Archiv viel Wissenswertes erfahren.
Die Texte sind angenehm lang, informativ, und der Inhalt hat mich motiviert, das Buch an einem Wochenende bis zum Schluss zu lesen. Selbst als vermeintlicher Kenner der Materie habe ich viel Neues aus den Beschrieben und Erzählungen erfahren und kann Ihnen die Lektüre daher nur empfehlen. Das Buch ist ein wunderschönes Präsent an alle, die Zürich und sein Tram mögen.
Den guten Eindruck des Buches rundet die am Ende des Buches aufgeführte Zeittafel (1882 bis 1994) ab, die auf sehr Übersichtliche Weise die Entwicklung der Verkehrsgeschichte in Zürich darlegt, und dem roten Faden, dem ich durch das Buch gefolgt bin, den Schlusspunkt gibt.
Rudolf A. Temperli
Letzte Änderungen: 30.08.2006
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